Inhalt

Der Tanzliebhaber

Degas-Ausstellung in Paris

Edgar Degas zählt zu den Malern, deren Bilder beinahe zu Tode reproduziert und hundertfach ausgestellt worden sind. Trotzdem ist «Degas à l´Opéra» ein Highlight. Zum einen, weil die zur 350-Jahr-Feier der Opéra organisierte Schau jede Menge Leihgaben aus aller Welt präsentiert und nicht nur das, was französische Depots beherbergen. Zum anderen erschließt sie – durch Degas‘ Motive, Farben, Pinselstriche – eine ganze Epoche. Der Künstler, der die meiste Zeit seines Lebens in Wohnungen und Ateliers zwischen Montmartre und der Kirche Notre-Dame-de-Lorette verbrachte, ging in der Oper ein und aus, ja er wurde gewissermaßen ihr visueller Chronist. Degas porträtierte Musiker, Tänzerinnen und ihre Gönner, schuf zahlreiche Statuen – darunter die weltberühmte Wachsfigur «La petite danseuse de 14 ans», für die ihm ein Mädchen namens Marie van Goethem Modell stand – und überlieferte auf diese Weise ein glanzvolles Kapitel europäischer Musiktheatergeschichte. Doch zugleich inspizierte er auch die Rückseite des Ruhms: die unendlichen Mühen und Anstrengungen, das uferlose Arbeitspensum des Alltags hinter den Kulissen. Statt sich mit dem Augenblick der Aufführung zufriedenzugeben, saß Degas die meiste Zeit als Zaungast auf Proben und in Ballettsälen, skizzierte das Gesehene und Geschehene, um es später in mehr oder weniger großformatige Bildkompositionen zu verwandeln.

Den vollständigen Beitrag von Dorion Weickmann lesen Sie in tanz 1/20