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Rezensionen August 2022

Wagner: «Die Meistersinger von Nürnberg» an der Deutschen Oper Berlin

Der Raum von Anna Viebrock, den sie gemeinsam mit Torsten Köpf entworfen hat und der wieder einmal ein wunderbarer Anna-Viebrock-Raum geworden ist (nur dass nicht Christoph Marthaler seine Personen darin «möbliert»), zeigt das Innere eines Konservatoriums, das verdächtig dem Nazi-Bau der Münchner Musikhochschule ähnelt. Links hohe vertäfelte Wände, die nach draußen führen, hinten das Zimmer des Institutsdirektors Pogner, den Albert Pesendorfer mit eminenter vokaler Würde ausstattet, zur Rechten einige Aufenthaltsräume. Die «Lehrbuben» und «Lehrmädchen» sind Studierende im Fach Gesang; ihre Professoren, und da wird die Erinnerung dann doch sehr wach an einige Exemplare aus der eigenen Studienzeit, eine Ansammlung eitler, penibler, streng-verstockter Pädagogen, die weit mehr den Titel des Zucht- als den des Gesangsmeisters für sich in Anspruch nehmen sollten. Durch die Bank tragen sie Anzüge, die in den 1950er-Jahren vielleicht mal en vogue waren. Doch schon die Frisuren lassen nur eine Reaktion zu: das Schmunzeln. Wer bei solchen «Meistern» studiert, kann eigentlich nicht anders, als ein Faust’sches «Ach» auszustoßen oder, wie es David (hinreißend gespielt und toll gesungen von Ya-Chung Huan) tut, den Clown zu mimen. Schlauer nämlich wird man an diesem Orte nicht. Oder doch?

Einer ist da, der ist anders: Hans Sachs. Ein Barfußindianer, der weder Schuster ist noch Meistersinger, sondern eher eine Mischung aus Physiotherapeut, Schlagzeuglehrer und anthroposophisch angewehtem Hippie mit hellblauer Trainingsjacke und buntgeschecktem Schal. Wie ein Kommunarde alter Prägung schlappt er über die Bühne, scheinbar unbeteiligt und doch höchst gewahr, was um ihn herum geschieht.

Die gesamte Rezension von Jürgen Otten lesen Sie in Opernwelt 8/22