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Rezensionen Mai 2021

«Tankstelle am Wall» in Göttingen

Von weitem sieht der Container, den das Theater Göttingen vor gut einem Jahr als neuen Raum für die Theaterpädagogik auf dem Stadtwall aufstellen ließ, tatsächlich wie eine Tankstelle aus. Als solche hat ihn die Regisseurin Antje Thoms gemeinsam mit dem Bühnenbildner Florian Barth konzipiert. Und so schimmern über dessen dunkle Wellblechwände in großen Lettern – je nach Lichteinfall – die Worte SUPER oder NORMAL. Außerdem stehen ein paar Zapfsäulen auf der Wiese herum, und eine Handvoll Göttinger Theatermitarbeiter mimen in signalroten Overalls erdölschwere Geschäftigkeit, wenn sie die Besucher vor und zu den Schaltern organisieren. Nur Autos sind weit und breit nicht zu sehen. Stattdessen Kontaktverarmte, Begegnungsuchende, Energieleere. Sie alle können sich hier auffüllen lassen. Mit dem Bedarf ihrer Wahl.

«Die Tankstelle», so heißt es im Pressetext, «hat schon so manche Situation gerettet. Die DT-Tankstelle rettet Sie in der Corona-Zeit». Mit Spielen und Spaß. Mit Musik und Heiterkeit. Und so banal das Konzept klingen mag, so gut geht es auf. Florian Barth hat jeden der fünf Räume sorgsam ausgestattet (und auch die Kostüme entworfen). Wirklich schade, dass vor jedem Schalter nur drei Minuten Verweildauer erlaubt sind. So öffnet sich etwa hinter Schalter 2, den an diesem Nachmittag Angelika Fornell bespielt, ein rosafarbenes Badezimmer mit Cyrano-de-Bergerac-Plakat und Herzchen-Luftballon. Die «Liebe auf den ersten Blick» will die Darstellerin in den nur wenigen Minuten mit ihrem Gegenüber erproben und bringt mit – natürlich liebevollem – Blick über ihre Lesebrille etliche Komplimente zu Papier.

Die gesamte Rezension von Katrin Ullmann lesen Sie in Theater heute 5/21