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Stimmen der Opposition

Auch in Russland protestieren Kunstschaffende gegen den Krieg

Die Moskauer Theaterzeitschrift «Teatr» hat in den ersten Tagen des Krieges eine Dokumentation mit den Protesten gegen den Krieg in der Ukraine online gestellt – Auszüge

24. Februar
14:30 Elena Kovalskaya kündigt auf Facebook ihren Rücktritt als Direktorin des Meyerhold-Zentrums aus Protest gegen den Ausbruch der Kampfhandlungen an: «Freunde, aus Protest gegen den Einmarsch Russlands in die Ukraine trete ich als Direktorin des Staatstheaters zurück. Es ist mir unmöglich, für einen Mörder zu arbeiten und von ihm bezahlt zu werden. Das, was ich angefangen habe, werde ich auf freiwilliger Basis beenden.»

15:44 Studierende, Doktoranden und Professoren russischer Universitäten fordern in einem offenen Brief an den Präsidenten Russlands ein Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine.

15:49 Das Lubimovka Festival für junge Dramatik zu den Ereignissen in der Ukraine: «Heute haben russische Truppen mit dem Beschuss ukrainischer Städte begonnen … Das Lubimovka Festival ruft die Machthaber in Russland, die noch zu unabhängigen Entscheidungen bereit sind, auf, alles zu tun, um die Kampfhandlungen sofort einzustellen.»

18:51 Der Journalist Michail Zygar veröffentlicht einen Antikriegsaufruf: «Das ist unsere Schande, aber leider werden auch unsere Kinder und ihre Kinder ... die Verantwortung dafür tragen müssen.» Die Petition wurde von der Schauspielerin Chuplan Khamatova, dem Schauspieler Anatoly Bely, dem Regisseur Vladimir Mirzoev, dem Dramatiker Ivan Wyrypajew und Dutzenden anderer russischer Kulturschaffender unterzeichnet.

19:54 Der Komponist Alexander Manotskov wird wegen der Teilnahme an nicht genehmigten Antikriegskundgebungen in Moskau festgenommen. Am Nachmittag hatte er auf seiner Facebook-Seite gepostet: «Ich werde um 15:00 Uhr an der Kanone sein. Ich kann es kaum erwarten. #Ichgehe.» Manotskov befindet sich jetzt im Meschtschanski-Polizeirevier.

19:54 Mehr als 497 Personen werden in 38 Städten festgenommen.

20:30 Theaterproduzent, Regisseur und Dramatiker Yury Shekhvatov, der eine Mahnwache gegen den Krieg abhält, wird verhaftet und auf dem Polizeirevier Twerskaja festgehalten. Nach Angaben von Shekhvatovs Frau, der Dramatikerin Svetlana Petriichuk, wurde er geschlagen und über Nacht im Revier festgehalten. Er wird nach Artikel 20.2 wegen «Verstoß gegen die bestehende Ordnung der Organisation oder Durchführung einer Versammlung, einer Kundgebung, einer Demonstration, eines Umzugs oder einer Mahnwache» angeklagt, was eine Geldstrafe von 10.000 bis 20.000 Rubel oder Zwangsarbeit von bis zu 40 Stunden bedeuten kann.

22.40 Der Dramatiker, Regisseur und Schauspieler Yevgeny Grishkovets veröffentlicht eine Antikriegsbotschaft in seinem Blog. 23.00 Russische Shakespeare-Wissenschaftler veröffentlichen eine Antikriegserklärung, u. a. Alexey Bartoshevich, Vladimir Makarov, Dmitri Ivanov, Boris Gaidin, Natalia Skorochod.

Den gesamten Beitrag lesen Sie in der Aprilausgabe von Theater heute