Inhalt

Faust, Bianca und Tin Tin

Christopher Gillett und Faust

Oper? Die ist mir zum ersten Mal in «Tim und Struppi» untergekommen, als ich noch ein Junge war. Wie Tim – und wie die meisten anderen Kinder in meinem Alter – fand ich die Sängerin Bianca Castafiore anmaßend, ja lächerlich.

Was hatte es mit dem «Juwelenlied» auf sich, dass sie da sang? Auch als ich mich für klassische Musik schon erwärmte, hätte ich nicht sagen können, was es damit auf sich hat. Ich wusste nur: Was die Castafiore von sich gibt, ist extrem laut und extrem hoch! Ihre Stimme lässt Glas zerspringen. Und im Wortlaut singt sie «AAAAAH! Je ris de me voir si belle en ce miroir».

 

Haddock: Heute weiß ich, dass die Castafiore Marguerites Arie aus Gounods «Faust» sang. 

Tim: Und dass diese Oper – einst eine der beliebtesten überhaupt, vor allem in den USA – inzwischen wieder etwas aus der Mode ist.

H: Vielleicht liegt’s daran, dass das Stück lang und teuer zu produzieren ist.

T: Oder daran, dass sie sich für den heutigen Geschmack leicht übertrieben, effekthascherisch und melodramatisch anfühlt.

H: Auch musikalisch ist sie ein ziemlicher Schinken.

T: Ja, ok, auch das. Es ist ein Stück für Opernliebhaber der alten Art.

H: Ja, oder es ist einfach Mist.

T: Pssst!

 

Margarete: Egal, was man von Oper hält: Was ein Teufelspakt à la Faust ist, weiß jeder. Für Sänger gestaltet er sich oft wie folgt.

Faust: Ich will reich und berühmt sein!

Mephisto: Da bist du an den Richtigen geraten! Unterschreib einfach hier, und wir – die Agentur Mephisto Mega Artists – machen den Rest.

F: Klingt toll! Wo soll ich unterzeichnen?

Meph: Hier – gleich unter dem Passus, in dem du mir 25% deiner Verdienste abtrittst.

F: Ich habe mehr Geld als Gott in Frankreich, aber nicht sein Leben. Und meine Stimme ist im Arsch.

Meph: Jetzt hör schon auf zu jammern. Du hast genau das bekommen, was du wolltest. Also ab an die Met, stemm dich durch den nächsten «Lohengrin». HARHARHARHAR!