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Rezensionen 3/21

Johannes Benecke und Naemi Latzer, Foto Theater

Teresa Dopler: Das weiße Dorf im Wiener Theater Drachengasse

Doplers Text ist von Minimalismus und Präzision geprägt: ein Ort, zwei Personen, kein Wort zu viel. Ivan und Ruth waren vor einigen Jahren für ein paar Monate zusammen und sind einander zufällig wieder begegnet. Aus ihren Gesprächen erfahren wir, dass beide erfolgreiche Manager sind, er in Wien, sie in Zürich. Kennengelernt hatten sie sich in München, ehe Ivan beruflich in die USA ging, was ihm offenbar wichtiger als die Beziehung war. Beide sind mit ihren neuen Partnern unterwegs, die wir allerdings nie zu Gesicht bekommen. Sie reden über Karrieren und Affären, wobei das hier keinen großen Unterschied macht. Wenn er etwa davon spricht, «Herzrasen» gehabt zu haben, geht es nicht um eine neue Liebe, sondern um einen neuen Job. Umgekehrt klingen die beiden auch dann ganz Smalltalk-glatt, wenn es um intime Dinge geht.

Das auf Rendite und Erfolg konzentrierte Denken haben die beiden so internalisiert, dass sie es auch privat übernommen haben. Das kann komisch sein und manchmal, ganz beiläufig, auch ganz schön brutal. «Der Zeitpunkt muss stimmen», sagt Ivan auf die Frage, ob er Kinder haben wolle. «Vor einem halben Jahr wäre das noch zu früh gewesen.» Was man wohl so verstehen muss, dass seine Freundin eine Schwangerschaft abgebrochen hat. Obwohl sich Ruth und Ivan ausmalen, wie das wäre, wenn sie in der Kabine heimlich heimlich miteinander schlafen würden, knistert es zwischen den beiden nicht, weder erotisch noch sonstwie. Nicht die Spur eines Konflikts ergibt sich aus ihren Gesprächen, wie Mantras werden immer wieder dieselben affirmativen Floskeln – «Das stimmt», «Das ist ein gutes Zeichen» – eingestreut.

Der lakonische, ganz auf die Sprache konzentrierte Charakter des Textes ist einerseits seine Stärke, er macht es dem Theater andererseits aber auch nicht ganz leicht. Im Grunde könnte «Das weiße Dorf» – der Titel meint übrigens einen Sehnsuchtsort in Spanien, von dem Ruth am Ende des Stücks erzählt – ein Hörspiel sein; Regisseurin Valerie Voigt lässt den ersten Dialog von Ruth (Naemi Latzer) und Ivan (Johannes Benecke) dann auch aus dem Off sprechen. Die Bühne (Thomas Garvie) steht knöcheltief unter Wasser, der Aktionsradius des Paars beschränkt sich auf einen schmalen Streifen am Rand.

Die gesamte Rezension von Wolfgang Kralicek lesen Sie in der Märzausgabe von Theater heute