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Rezensionen 3/21

Monteverdi: Orfeo

Es ist ein «Orfeo» ganz aus dem Geist des Gesangs, des recitar cantando, des sprechenden Singens oder «musikalischen Redens». Die reich besetzte, fantasievoll spielende Continuo-Gruppe folgt dem Gesang, nicht umgekehrt, das zeigen schon die von Emőke Baráth abwechslungsreich deklamierten Verse des Prologs. Großartig die herbe und dennoch gefasste Emotionalität, mit der Natalie Pérez’ Messaggiera ihren Bericht vom Tod Euridices vorträgt. Eine klare Vorstellung hat Gonzalez Toro auch von den Chören, die er, den wechselnden Funktionen entsprechend, teils größer, teils solistisch besetzt – mit manchmal vielleicht zu schwungvoll überdrehten Tempi (wie im tänzerischen Ballett «Lasciate i monti» im ersten Akt), während am Ende des zweiten Akts, in der madrigalesk-polyphonen Klage «Ahi caso acerbo», die ganze Bitternis von Euridices Tod zum Ausdruck kommt.

Schlicht überragend allerdings ist Gonzalez Toros Gestaltung der Titelpartie. Man muss bis zu Nigel Rogers’ Aufnahme aus dem Jahr 1984 zurückgehen, um einem vergleichbar vollkommenen Orfeo zu finden.

Emiliano Gonzalez Toro (Orfeo), Emőke Baráth (Euridice/La Musica), Natalie Pérez (Messaggiera), Alix Le Saux (Speranza/Pastore 3), Jérôme Varnier (Caronte/Spirito), Mathilde Etienne (Proserpina), Nicolas Brooymans (Plutone/Pastore 4),Fulvio Bettini (Apollo/Spirito/ Eco), Zachary Wilder (Pastore 1/Spirito), Juan Sancho (Pastore 2/Spirito), Alicia Amo (Ninfa); Ensemble Vocal de Poche, I Gemelli, Emiliano Gonzalez Toro naïve V 7176/Vertrieb: Note 1, (2 CDs);
AD: 2020

https://naive.ffm.to/lorfeo

Die gesamte Rezension von Uwe Schweikert lesen Sie in der Märzausgabe von Opernwelt