Das Große-Jungs-Spiel
Im deutschen Wirtschaftsmusterländle, lange belächelt, weil es immer noch auf Produktion statt auf die angeblich unerschöpflichen Renditemöglichkeiten des Finanztransfers setzte, kann man sich befriedigt die Hände reiben: Wir sind noch mal davongekommen. Die weltweite Finanzkrise wurde hierzulande offiziell für beendet erklärt: niedrigste Arbeitslosenquote seit 1992, Wachstumsraten von über drei Prozent, das darf man fast schon wieder Boom nennen.
Nur – ein bisschen langweilig ist diese Solidität ja schon.
Denn riesige Blasen und milliardenschwere Erfolgsstories schaffen immerhin eine Fallhöhe, aus der es sehr, sehr tief hinabgeht. Die überschießenderen Charaktere und Geschichten muss man sich hierzulande im Kino zu Gemüte führen. Oder im Theater. Und immer mit dem kleinen Grusel im Nacken, dass das relative Ungeschorensein sich im global vernetzten Kapitalismus auch schnell als süßer Irrtum herausstellen könnte. Also gucken wir sie uns an, die Lehrbeispiele aus den mächtig gebeutelten USA und Großbritannien, um das es nicht viel besser steht.
Kapitalismus-Kino und -Theater
Zum Beispiel David Finchers Harvard-Film «The Social Network», die Charakterstudie eines neuen Typs ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 33
von Barbara Burckhardt
Theater heuteWorüber wir heute reden wollen, ist gar nicht so leicht zu fassen, denn man begibt sich schon mit dem Sprachgebrauch auf vermintes Gelände. Vorsichtig formuliert haben wir es mit Integrationspolitik zu tun (demonstratives Räuspern von Shermin Langhoff). Die damit verbundene Debatte lässt sich vereinfacht auf drei Positionen herunterbrechen. Die erste...
Etwas ist anders im Foyer. Etwas, das uns Minuten zuvor kaum aufgefallen wäre. Weil wir uns an das Andere auf der Straße längst gewöhnt haben. Aber hier, im Freiburger Stadttheater, im Showroom einer mittelgroßen Universitätsstadt, deren Kulturbürgertum ebenso aufgeklärt wie überschaubar ist, bleibt die Anwesenheit des Anderen eine Überraschung....
Das Roxy-Theater liegt in Birsfelden, dicht an der Grenze, wo die Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Land aufeinander stoßen. Seit sechzehn Jahren organisiert hier ein Verein Gastspieltheater, Musik und Kleinkunst. Ein charmanter Bau aus den 1920er-Jahren und der gute Ruf sorgen für regen Zulauf. Doch nicht immer. Der Basler Premiere von «Der rundere Mond» der...
