Dosenmilcherguss
Sechs auf einem Sofa. Und Sex hinter dem Sofa. Damit wären die Betriebsstrukturen in der «Cocka Hola Company» schon umrissen. Vorn, auf der Bühne, kuschelt das Kollektiv, rechts gluckst die Kaffeemaschine, links hüpft das Kind des Hauses auf den Kissen. Hinten, aus dem Off, stöhnt das Kollektiv, dort wird der nächste Pornofilm durchgehechelt. Von irgendetwas müssen neofamiliäre Zweckgemeinschaften ja leben.
«The Cocka Hola Company» ist der erste und bekannteste Teil aus Matias Faldbakkens popliterarischer Satire-Trilogie mit dem Titel «Final Girl».
Der 36-jährige Norweger, der auch Kunst macht und Ausstellungen kuratiert, hat drei grobe, grelle Romane geschrieben: In der «Skandinavischen Misanthropie I-III» weinen die Menschen dem Zerfall der bürgerlichen Werte keine Träne nach. Sie haben sich in den posthumanistischen Schrumpfformen der Existenz eingerichtet. Und leben ihre kriminelle Energie aus. Ihr sozialer Konsens besteht aus Porno, Gewalt und Anarchie.
Der Autor erzählt radikal. Und radikal gekonnt. Er bricht seine Splatter-Plots mit satirischen Mitteln, ohne die Figuren an billige Pointen zu verraten. Die Basler Uraufführung der Trilogie, die erstmals Faldbakkens Roman ...
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Es ist zum an die Wand springen. Da hat man mal einen vernünftigen Selbstmordgedanken, aber kein brauchbares Hilfsmittel, um ihn umzusetzen. Der adoleszente Alkoholiker Darko ist ein widerwillig Überlebender, der nur manchmal und viel zu kurz die Courage zum Suizid hat, sonst aber gern andere dazu ermutigt. Zum Beispiel Ulrike, die irgendwann vom Hochhaus springt....
Einen grundsympathischen Parzival hat sich Lukas Bärfuss frei nach Wolfram von Eschenbach da ausgedacht: ein ordentlicher Zivilisations-Bildungsweg in zehn Szenen, der vom Kaspar-Hauser-Schicksal des in der Einöde aufgewachsenen Kindes über diverse Rittergroßtaten zur Gralsherrschaft führt, die man gut protestantisch erst durch Verzicht erreicht.
Einer, der die...
