An der Wand

Jens Harzer erinnert sich an letzte Proben mit Jürgen Gosch

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An was ich mich an meisten erinnere, wenn wir «Onkel Wanja» spielen, das sind die Wiederaufnahmeproben vor genau einem Jahr im Haus der Berliner Festspiele. Über ein halbes Jahr hatten wir das Stück nicht gespielt, Gosch hatte gerade «Die Möwe» herausgebracht, und sein Gesundheits­zustand war deutlich schlechter geworden. Mein Respekt, wieder vor seinen Augen zu probieren und vor ihm zu spielen, war enorm. So sehr war ich dann doch nicht in seiner Welt, dachte ich, und meine Anspannung vor diesen zwei Tagen war groß.

Die Probe begann, und Gosch griff sofort ein, ihn beschäftigte einzig der Auftritts­beginn, fünfundzwanzigmal ließ er uns her­auskommen, er suchte danach, den Beginn des Spiels so weit nach vorne zu schieben, dass gar nichts mehr nach Beginn aussah; alles sollte schon im Fluss sein, sollte schon da sein, alles war ihm zu spät. Eine große Ungeduld stieg von ihm auf, sofort war die Aufführung von ihm selber attackiert. Er forderte mehr Unzufriedenheit, gröbere Mittel, mehr Beschwerde, mehr ohne Anfang, mehr ohne Ende. Ich war gebannt von diesem Zugriff, und dennoch erschien ich mir fremd in diesem Kontext, Goschs Aura einerseits und diese neue Suche andererseits konnte ...

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Theater heute Januar 2010
Rubrik: Regiearbeit, Seite 10
von Jens Harzer

Vergriffen
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