«Jetzt muss ich auch was tun!»
Es sei durchaus die etwas altmodische Galanterie, die es in dem und um den ganzen Betrieb trotz allem immer noch gebe: «... da halten die Männer den Frauen noch die Türen auf», sagt Miriam Wagner, wenn man sie fragt, was das Theater für sie so anziehend mache. Und wie aufs Stichwort stellt die Kellnerin in der kleinen spanischen Kneipe in der Erlanger Altstadt ein Glas Wein auf den Tisch: Das sei von den Herren dort an der Theke.
Da lümmeln tatsächlich zwei schmucke Exemplare und können die Augen nicht von der blonden jungen Frau lassen, die gerade noch von aus der Mode gekommener Etikette schwärmte: «Auf die Kunst», säuseln sie herüber, und der Beobachter fühlt sich in eine verstaubte Zeit versetzt, in der die Bewunderer es noch verstanden, der Künstlerin den Hof zu machen.
Miriam Wagner wirkt etwas verlegen. Nein, das passiere ihr nicht gerade oft hier in der Stadt, in der sie seit zwei Jahren engagiert ist. Eher das Gegenteil: Vor kurzem habe sie sich erst mit einer wildfremden Frau in einem Café über das Stück «Tatarenschlacht» unterhalten: «Die hatte das zwar gesehen, aber nach einer halben Stunde immer noch nicht gespannt, dass ich da selber mitspiele.» Andererseits rufen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Mann ist ein Vampir und ein Seelendieb. Sagt zumindest seine Frau, und die muss es ja wissen. Die Rede ist von Hauptmann Edgar, der Hauptfigur aus Strindbergs «Totentanz», die Beschreibung passt aber auch auf Peter Zadek, der das Stück jetzt in Wien inszeniert hat. In seinem Fall ist die Metapher allerdings als Kompliment zu verstehen: Der Beruf des Regisseurs...
Jetzt kommt das Mitmachtheater», fordert die Bühne. Applaus. «Und wer sind Sie?» «Ich bin Studentin der klassischen Archäologie in Gießen», sagt die junge Frau mit leiser Stimme aus dem Publikum. Applaus. Sie betritt die Bühne und weiß plötzlich ganz genau, wo alles ist: die Blockflöte, die OP-Masken, der Wischlappen. Sie ist blond, sie ist schüchtern. Sie könnte...
Wie wohl hätte man sich heute einen «Weltverbesserer» vorzustellen, einen, der von sich sagt, «mein Kampf ist ein Kampf um das Glück aller; sollte ich glücklich sein, so müssten es zuerst alle andern Menschen um mich herum sein»? Getroffen hat man ja schon länger keinen mehr.
Wäre so einer jung und bei Attac, wäre er ein übrig gebliebener 68er, wäre er eine...
