Die Revolution muss warten
Seit September hat das Wiener Volkstheater einen neuen Direktor. Diesen Satz konnte man zuletzt vor siebzehn Jahren schreiben, als mit Emmy Werner erstmals einer Frau die Leitung einer großen Wiener Bühne übertragen worden war. Zum Nachfolger der Langzeitintendantin wurde der Wiener Regisseur und Schauspieler Michael Schottenberg berufen. Keine besonders originelle, aber eine solide Wahl: Der Mann versteht sein Handwerk. Und die Leidenschaft, mit der «Schotti» (wie ihn in Wien jeder nennt) sich an die Arbeit machte, wirkte durchaus ansteckend: Es lag Aufbruchsstimmung in der Luft.
Nach der ersten Premierenserie ist davon nicht mehr viel übrig. Die bisher radikalste Tat des neuen Direktors fand nicht auf der Bühne, sondern im Direktionstrakt des Hauses statt: Im Oktober ließ Schottenberg das sogenannte «Hitler-Zimmer» demontieren. Nach dem «Anschluss» Österreichs an Nazideutschland war das Volkstheater zum «Kraft-durch-Freude-Theater» erklärt worden; für Besuche des «Führers» wurde ein Raum hergerichtet. Hitler kam dann zwar nie, das holzgetäfelte Zimmer aber ist geblieben, in der Ära Werner fanden hier die Pressegespräche statt (was man als subtile Kritikerbeleidigung interpretieren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vom Gerede geprägt, gestempelt und verletzt. Geschlagen von Worten» – so fühlen sich die drei älteren Schwestern in «The New Electric Ballroom», mit dem Enda Walsh jüngst zum ausländischen Dramatiker des Jahres gekürt wurde. Um der Schlagkraft der Worte, dem dörflichen Tratsch zu entfliehen, haben sie sich ganz von der Außenwelt zurückgezogen, «um für immer drinnen...
Titelgebende Tiere sind in beiden Stücken, bei Ibsen ist es eine Wildente, bei Grillparzer das gehörnte goldene Fell eines Widders, geopfert wird bei beiden, geliebt, geschlachtet. In einem Stück sind die Menschen so irrsinnig dicht in ihren Lebenslügen verstrickt, dass der Ausweg nur noch in einem Zerschneiden des Knotens, im Tod, liegen kann, im andern sind es...
Am Ende steht Teiresias im schwarzen Anzug etwas verloren am hinteren Bühnenrand und guckt auf das Etikett der Rotweinflasche in seiner Hand. Welcher Jahrgang ist das bloß? Pentheus ist zerrissen, Mutter Agaue und Papa Kadmos ins Barbaren-Exil vertrieben, das schöne Theben zerstört, und Dionysos hat den aufgeklärten Hellenen mal wieder gezeigt, wo der Hammer hängt....
