Dem Unerlösten auf der Spur
Ruth Berghaus war eine der eigenwilligsten und unangepasstesten Künstlerpersönlichkeiten des deutsch-deutschen Theatergeschehens im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts. Vor allen Dingen mit ihren Operninszenierungen setzte sie Maßstäbe, stellte sie sich quer zu gedankenloser Routine, zu Kunstgewerbe und restaurativer Musiktheaterpflege. Rolf Liebermann, Komponist und experimentierfreudiger Opernintendant, gehörte zu ihren überzeugten Anhängern: «Ich halte sie für einen der intelligentesten Regisseure, die ich kenne, einen der analytischsten, strukturellsten und musikalischsten.
» Ihre Arbeiten polarisierten nicht nur das Publikum in Ost und West, auch die Theaterleute und Musiker, insbesondere die Sänger und Sängerinnen teilten sich in begeisterte Befürworter und entschiedene Gegner. Der langjährige Bassist der Frankfurter Oper, Manfred Schenk, widersetzte sich, den Schatz seiner Stimme gerne gemächlich ausschreitend und agile Körperhaltungen lieber vermeidend, ihren szenischen Zumutungen und schmähte sie über den Tod hinaus: Für den Fall, dass Ruth Berghaus «für den lieben Gott inszenieren darf», sei er entschlossen, sich dort oben krank zu melden.
Die Schweizer ...
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