750 Hefte
Die 750. Ausgabe von «Theater heute» ist etwas umfangreicher als sonst. Was läge zum Jubiläum auch näher, als sich einmal genauer mit Theaterkritik zu beschäftigen. Oft wird behauptet, sie habe ihre besten Zeiten hinter sich. Und tatsächlich, die Lage ist oft schwierig. Feuilletons müssen sparen, der Platz im Blatt für die Kritik ist umkämpft, Reiseetats – wichtig für den überregionalen Überblick – werden eng. Was für die Metropolen gilt, wird in der Fläche noch komplizierter.
Welche Regionalzeitung unterhält noch eine Kritiker:in? Und online hat sich bisher mit «nachtkritik.de» nur eine Gratisplattform durchsetzen können. Ist Theaterkritik kein Geld wert?
Andererseits waren die Zeiten für die Theaterkritik nie herausfordernder. Die öffentlichen Theater produzieren mehr Premieren denn je. Das Publikum ist nach der Corona-Flaute zurück. Die Theaterästhetiken haben sich weiter geöffnet und differenziert. Die Freie Szene sorgt für immer neue Perspektiven, Themen und Experimente. Die internationalen Festivals boomen ebenfalls. Vorschläge zu Strukturreformen sorgen für engagierte Debatten und tatsächliche Veränderungen an den Häusern. Goldene Zeiten eigentlich für offene, ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Foyer, Seite 0
von
Clemens J. Setz’ «Der Triumph der Waldrebe in Europa»
Was heißt hier Wirklichkeit?, fragt sich Renate, Mutter von David, der mit damals acht Jahren vor einiger Zeit bei einem Autounfall umgekommen ist. Und ihre Antwort lautet: «Mein Sohn gehört nicht der Erde, er gehört uns», also ihr und ihrem Mann Konrad. Fortan wird kein Toter betrauert, sondern ein Rollstuhl...
Panzerfahrer, Flakartillerist, Kampfpilot, Scharfschütze. Kriegsberufe, kennen wir. Aber Scharfschützin? Gibt’s doch gar nicht?
Maria Iwanowna Morosowa steht stocksteif vor dem Fadenvorhang im Freiburger Kleinen Haus. Berichtet von ihrem ersten Deutschen. Erst hat sie mit ihrer «Jagd»-Partnerin gestritten, wer abdrücken soll. «Ich beobachte. Schieß du!» Die...
Und wenn es nun in dieser Minute geschlossen gewesen wäre, darum also hätte ich gelebt?», räsonniert Heinrich von Kleist in einem Brief, den er am 18. Juli 1801 unmittelbar nach seinem «spektakulären» Kutschen-Unfall auf dem Butzbacher Marktplatz schrieb, über sein Leben. «Das hätte der Himmel mit diesem dunkeln, rätselhaften, irdischen Leben gewollt, und weiter...
