Kunst und Lüge
Die Große Reichshalle ist das größte Gebäude auf Erden», jubiliert die Stadtführerin. In knackiger Uniform strahlt Ahmad Mesgarha auf der Bühne des Staatsschauspiels Dresden – «schöne Stadt, so unzerstört» – eine vollbusige Mischung aus Arroganz und Autorität aus: Höhe 290 Meter, Fassungsvermögen 180.000 Personen, «die Kuppel selbst misst einhundertvierzig Meter im Durchmesser, und der Petersdom zu Rom passt sechzehnmal hinein», doziert seine stolze Patriotin.
Sogar ein eigenes Klima herrsche drinnen, wenn der «Atem einer solchen Menschenmenge in die Kuppel aufsteigt und dort Wolken bildet, die kondensieren und als leichter Regen herabfallen».
Unterwegs in Speer-City
Der von Albert Speer entworfene monumentale Monsterbau könnte heute vom Kanzleramt bis zum Hauptbahnhof reichen (die Spree hätte umgeleitet werden müssen) – wenn, ja wenn Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte. In seinem Krimi «Fatherland» spielt der britische Autor Robert Harris einen alternativen Geschichtsverlauf durch, in dem Nazi-Deutschland die Rote Armee bis hinter den Ural zurückgedrängt, die Briten zum Aufgeben gezwungen und ganz Europa unter seinen Einfluss gebracht hat. 1964 – das Jahr, in dem der ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt
Thomas Köck hat einen titelgemäßen Rache-Feldzug zusammengestellt mit einer Handvoll Figuren, Zitaten, Geschichten, Arien – von der Bibel über Shakespeare bis zu Mozart und Händel –, Jan Philipp Gloger ihn im Nürnberger Schauspielhaus als Crossover-Produktion in Szene gesetzt. Dazu holte er sich vom Opernhaus nebenan etwa die Sopranistin Andromahi Raptis für eine...
Die Komödien von Yasmina Reza sind allseits beliebt, es gibt allerdings nur relativ wenige davon. Also sicherte das Burgtheater sich die Bühnenrechte für den jüngsten Roman der französischen Boulevardvirtuosin. «Serge», 200 Seiten kurz, schildert eine krisenhafte Episode im Leben einer jüdischen Pariser Familie, deren Kern die drei Geschwister Serge, Jean und Nana...
Pläne der Redaktion
Der schöne Monat Mai beschert einmalig das 750. Heft von «Theater heute»: ein guter Anlass, über Theater und Kritik nachzudenken!
Der schöne Monat Mai beschert alljährlich das Berliner Theatertreffen und die Mülheimer Stücke: die bemerkenswertesten Inszenierungen und neuen Stücke des Jahres!
Die Band von Katharina Bach heißt «bitchboy», das...
