Ein Auslaufmodell
Ein Bett ist ein privater Ort. Ein intimer Ort, ein Ort der Entspannung, auch ein Ort der Verletzbarkeit. Wenn zu Beginn des Theaterabends ein Paar im Bett schläft, dann ist das ein Hinweis: Das wird nicht gut ausgehen.
Lina Oanh Nguyen hat für Marie Schleefs Inszenierung von Liz Ziemskas in Deutschland wenig bekannter Fantasy-Erzählung «The Mush -room Queen» ein großbürgerlich-modernes Schlafzimmer in den Malersaal des Hamburger Schauspielhauses gebaut: Eine riesige Fensterfront gibt den Blick frei in einen vielleicht ein bisschen zu gepflegten Garten, durch den Nachtvögel bedrohlich flattern, in der Mitte des Raumes steht ein übergroßes Bett, in dem Mann (Markus John), Frau (Ute Hannig) und zwei Hunde (Sachiko Hara und Maximilian Scheidt) liegen. Ein stetiger Brummton verkündet Unheil (Sound: Nguyen + Transitory), die Frau findet keinen Schlaf, sie ist unzufrieden in ihrer wohlgeordneten Ehe, wünscht sich eine Doppelgängerin, die ihren Platz einnimmt, während sie die Welt erkundet. Be careful what you wish for.
Denn tatsächlich erfüllt sich der Wunsch, nur anders als erwartet. Die Frau steht auf, krault noch einmal den weißen großen Hund, dann tritt sie in den Garten, nackte ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Falk Schreiber
Oben hockt Tell mit seiner Armbrust in der golden leuchtenden Steilwand, von der herab er Gessler erschossen hat. Unten kriecht ein blutbeschmiertes Volk hervor und skandiert: «Tell, der Schütze und Befreier.» Dieser Tell ist kein Held, sondern ein von dem Bewusstsein seiner Schuld für einen Mord aus dem Hinterhalt zerfressener Einzelgänger.
Eine Inszenierung von...
Gerade fuhr der elfjährige Renat noch mit dem Skateboard auf der Bühne herum. Nun hält ihn eine fremde Frau an der Hand und erzählt vorne am Bühnenrand, dass sein Onkel vor wenigen Tagen im Ukraine-Krieg gefallen ist. Dass seine Mutter Marta gerade nach Irpin zurückgefahren ist, um ihn zu beerdigen. Nein, nein, das können wir so nicht machen, ruft die musikalische...
Gewalt ist doch eine Lösung. Für Hendrik, Tino, Pavel und die anderen. Für die Jugendlichen, die in Stralsund im von Plattenbauten dominierten Stadtteil Knieper West großwerden. In den Überresten der DDR. In den so genannten Nullerjahren. «Nullerjahre», so heißt das Buch, das Hendrik Bolz über sein Aufwachsen geschrieben hat. Ein «Debütroman» wird es manchmal...
