Diva der Niederlage
Auf der Bühne dreht sich ein Sandhaufen mit drei weißen Monoblockstühlen, darüber kreist eine gigantische orangene Sonne aus Scheinwerfern unter Pergamenthaut (Bühne Sabine Mäder). Könnte irgendwo in der Wüste sein oder in provinzieller Einöde, vielleicht sogar ganz in der Nähe. Eine Frau, eindeutig overdressed im cremefarbenen Kleid mit hoher Taille und langem Rock, betritt die Riesenbühne des An -haltischen Theaters, zwei Alukoffer in der Hand, was in der Rollkoffer-Ära leicht irritiert.
Nicht zuletzt, weil Regisseurin Mizgin Bilmen Tennessee Williams’ Drama um eine «gefallene» Südstaatenschönheit sonst ganz selbstverständlich in eine unbestimmte Gegenwart mit leichten Anklängen eines 1950er-Jahre-Retroschicks transferiert.
Mirjana Milosavljevic, seit 2016/17 festes Ensemblemitglied in Dessau, spielt Blanche Du-Bois, und sie scheint, bis hin zu einer ungemein natürlich wirkenden leichten Künstlichkeit, die perfekte Besetzung für diese feine Dame im freien Fall. Es dauert eine Weile, bis man sich wie Stella und ihr Mann Stan Kowalski an den stets appetitlich zurechtgemachten Besuch gewöhnt hat – etwas an ihr wirkt aufgesetzt, die Stimme immer einen Tick erhoben, die tadellos ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Eva Behrendt
BERLIN, KUNSTGEWERBEMUSEUM
bis 16.7., Retrotopia. Design for Socialist Spaces
Kooperatives Ausstellungsprojekt über die Rolle und den Einfluss von Design in den Ländern des ehemaligen Ostblocks und Ex-Jugoslawiens von den 1950er bis in die 1980er Jahre
BERLIN, WANNSEE CONTEMPORARY
bis 22.4., Yael Bartana | Rehearsal for Redemption
Das für Wannsee Contemporary...
In dem schönen Ort Maria Blut
werden alle Schmerzen wieder gut,
bringst der Gottesmutter nur aus Wachs die Hand
und dann brauchst kein Medizin und kein Verband,
Medizin und Verband viel Geld dir kosten tät,
sie aber machts für ein Gebet.
FIGUREN
(Besetzung der Uraufführung der Bühnenfassung im Wiener Akademietheater)
Stimme der Erzählerin (Stefanie Dvorak)
Doktor...
Gewalt ist doch eine Lösung. Für Hendrik, Tino, Pavel und die anderen. Für die Jugendlichen, die in Stralsund im von Plattenbauten dominierten Stadtteil Knieper West großwerden. In den Überresten der DDR. In den so genannten Nullerjahren. «Nullerjahre», so heißt das Buch, das Hendrik Bolz über sein Aufwachsen geschrieben hat. Ein «Debütroman» wird es manchmal...
