Die neuen Held*innen

Im Bergwerk der liberalen Ordnung: Stücke, Inszenierungen und Schauspieler*innen des Jahres!

Einen besonders heldischen Eindruck macht Clara nicht. Alleinstehend, Mitte 40, mit heftig pubertierendem Sohn, der beim Vater und seiner neuen Freundin lebt und den sie nur am Wochenende sieht. Sie ist eine von Ewald Palmetshofers «Verlorenen», dem Stück des Jahres, die zwar erkennbar von der Erfolgsspur abgekommen sind, die eine urbane Mittelklasse vorzeichnet, aber wo sie dabei genau gelandet sind, ist nicht so richtig auszumachen.

Gescheiterte? Vor wem und an was? Sie alle befin­den sich nach wie vor in einem halbwegs gesicherten sozialen Gefüge dieses Landes, sie alle sind vielleicht abrutschgefährdet, aber noch lange nicht abgestürzt, sind mit ihren Leben allerdings mehr oder weniger unter den eigenen Erwartungen geblieben. Vereinzelt, aber nicht bindungslos, nimmt sich Clara eine Auszeit, sucht Distanz und Klarheit in einem unübersichtlich gewordenen Leben, tritt einen Schritt heraus aus einer Gewohnheitsordnung, in der sie sich fremd geworden ist. Am Ende stirbt sie, ein letztes Mal aus dem Gleichgewicht geraten, einen eher zufälligen, reichlich überflüssigen und maximal grausamen Tod.

«Helden» ist ein schlüpfriges Wort. In Krisen verwendet man es für die vielen tapferen ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 92
von Franz Wille

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