Angst als Universalmotor

Pathologien des Wohlstands: Toshiki Okadas «Vacuum Cleaner» an den Kammerspielen und Molières «Der Eingebildete Kranke oder das Klistier der reinen Vernunft» von PeterLicht und Claudia Bauer am Residenztheater

Das Leiden an sich selbst gehört zu den Lieblingsdisziplinen von Wohlstandsgesellschaften. Wo objektiv die meisten materiellen Bedürfnisse übererfüllt sind, entstehen andere, diffuse Defizite, Zweifel an der eigenen Konsumtauglichkeit, Unlust, sich der Kontrolle und dem Konformitätsdruck der Außenwelt auszuliefern, oder es lauert schlicht die Angst, dass es ohnehin nur noch abwärts gehen kann.

Solcherlei Bedenken dämpfen bereits prophylaktisch die Freude am Gesundsein, was je nach kulturellem Kontext zu sehr unterschiedlichen dramatisch-pathologischen Erscheinungsbildern führt, wie man Ende vergangenen Jahres auf beiden Seiten der Maximilianstraße erleben konnte. 

Totalverweigerer im Kinderzimmer

Ein wenig ist es wie der Blick durchs Schlüsselloch in eine sehr fremde Welt, wenn Toshiki Okada an den Münchner Kammerspielen inszeniert. Bereits zum vierten Mal seit 2015 fand unter der Intendanz von Matthias Lilienthal eine west-östliche Kollaboration zwischen dem japanischen Theatermacher (und Begründer der chelfitsch Theater Company) und dem Münchner Ensemble statt. Längst haben die Akteure, allen voran Thomas Hauser, der bei allen Produktionen dabei war, die aus modifizierten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Buch: Liebe zum Dreck

Bevor die Zivilisation an menschlicher Dummheit untergeht, verträgt sie wenigs­tens ein paar kräftige Sprüche. «Die alte Welt ist morsch, sie kracht in allen Fugen. Ich will helfen, sie kaputtzumachen!» Oder ein schönes Gedicht: «Schlaf, kleine Erde, schlaf schön bald / Bist erst fünf Milliarden Jahre alt. / Jetzt spielen böse Jungs mit deinen Kräften /...

Hip-Hop-School of Wagner

Der japanische Regisseur und Visual Artist Akira Takayama hat fürs Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm im Dezember das zehntägige «Wagner Project» erarbeitet, bei dem gemeinsames Lernen und die Bildung einer HipHop-Com­munity im Zentrum standen. Von Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» wurde nur der Sängerwettstreit übernommen. In einer Public Audition wurden...

Daten (2/2020)

Aalen, Theater der Stadt
1. nach Schiller, Johanna im Ratssaal

R. Tonio Kleinknecht und Tina Brüggemann
15. Fuchs, Das Heimatlied
R. Winfried Tobias 

Altenburg Gera, THeater
16. Hauptmann, Die Ratten

R. Manuel Kressin 

Augsburg, Theater
21. Hašek, Brecht und Hulova, Švejk/Schwejk (U)

R. Armin Petras
29. Projekt, Auf dem Paseo del Prado mittags Don Klaus (U)
R. Johannes...