Tetrissteine sind auch nur Menschen
Wer nichts über die Sozialstruktur der Ameisen weiß, hält möglicherweise auch die Dramatiker*innen des Absurden Theaters für unpolitisch. Über solch einen gedanklichen Konnex könnte vielleicht auch Miroslava Svolikova spekulieren. Sie beschäftigt sich mit Ameisen und ist eine Autorin, der wahrlich nicht vorzuwerfen ist, dass sie die Verbindungen zwischen der Wirklichkeit und ihrer Literatur zu offensichtlich anlegen und die gesellschaftlichen Implikationen ihrer Texte zu wenig verklausuliert servieren würde.
Im Gegenteil gewinnen sie ihren Charme doch maßgeblich aus der Undurchsichtigkeit der Vorgänge und den bisweilen reichlich unerwarteten motivischen Ingredienzien, die Svolikova kunst- und humorvoll zu den Partikeln ihrer Farcen zusammensetzt: von sprechendem Speichel, Käseplatten, Wasserkübeln bis hin zu Tetrissteinen. Bei ihrem neuen Stück «RAND» ergibt das wieder eine ziemlich skurrile Gesellschaftsparabel.
Dem Thema der politischen Teilhabe näherte sie sich am deutlichsten mit ihrem letzten Stück «Der Sprecher und die Souffleuse». In einem Theater, in dem die Schauspieler*innen nicht zur Vorstellung erscheinen, füllt zunächst notgedrungen die Souffleuse das Vakuum auf der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Torsten König war das Licht in all meinen Inszenierungen an der Volksbühne. Er ist in Warnemünde mit dem Fahrrad verunglückt, am helllichten Tage, niemand hat es gesehen und konnte bezeugen, was geschehen ist. So wie ich ihn bei der Arbeit gar nicht bemerkt habe. Er hat parallel zu unseren Proben geleuchtet. Es war so selbstverständlich und erstmal unauffällig....
«There’s no time here, not any more.»
Mark Fisher
Vielleicht hat selten jemand Foucault so konsequent und düster zu Ende gedacht wie Mark Fisher, vielleicht hat es auch kaum jemand wirklich ausgehalten, ihn so zu Ende zu denken, wie man sagt, zu Ende denken, wenn es das überhaupt gibt, etwas zu Ende denken, jemanden zu Ende denken, überhaupt etwas irgendwann zu...
Theater heute Das Schöne am Stadttheater ist, dass es sich zumindest künstlerisch permanent verändern kann. Alle fünf oder zehn Jahre kommt – falls die Kulturpolitik nicht furchtsam oder bequem ist – eine neue Leitung, die für sich neu definieren kann, wozu das Theater da ist und wie es sich im Umfeld von Stadt und Gesellschaft positioniert. Dabei gibt es klare...
