Wer wen zerfleischt

«Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer», inszeniert von Oliver Frljic am Schauspiel Köln

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Ein «Fatzer» ist im Augsburger Dialekt ein Schwätzer, ein Aufschneider. Brecht hat seiner Figur einen wahrlich sprechenden Namen gegeben. Der ichsüchtige Spötter redet und redet und geht doch unter. Er steigt aus dem Krieg aus, ein Deserteur. Lang ist’s her, der Erste Weltkrieg, und lange hat Brecht an diesem Projekt vom «Untergang des Egoisten Johann Fatzer» gearbeitet, von 1927 bis 1931 und auch später noch.

Das Fragment konnte nicht fertig werden, weil Brecht selbst im Übergang war von der anarchistischen Kriegsverweigerung wie sein Artillerist Andreas Kragler in «Trommeln in der Nacht» (1919), der sich von Krieg und Revolution verabschiedet mit den deutlichen Worten: «Ich bin ein Schwein, und das Schwein geht heim», bis zum Lob der Parteidisziplin in der «Maßnahme» (1931), in der der junge Genosse sich einverstanden erklärt mit seiner Liquidierung durch seine Mitgenossen «im Interesse des Kommunismus». 

Zur Selbstverständigung habe er immer wieder an diesem Projekt gearbeitet, kommentierte Brecht später sich selbst. Brecht, der Selbstzweifler, porträtiert sich als Fatzer: «So sitzend / Zwischen noch nicht und schon nicht mehr / Glaub ich nicht, was ich denk!». Eine ...

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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Gerhard Preußer

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