Diverse Heimatszenen
Wer wissen will, wie es um das deutsch-türkische Verhältnis steht – sowohl unter Deutschen und Türken wie unter Deutschtürken – der ist in der Kölner Keupstraße am richtigen Ort. Gleich nebenan, im Depot des Kölner Schauspiels, hat Nuran David Calis ein Sequel seiner szenischen Interkultur-Recherchen «Die Lücke» (2014) und «Glaubenskämpfer» (2016) aufgelegt, das unter dem Eindruck des türkischen Verfassungsreferendums etwas anders ausgefallen ist als geplant.
Das bei allen Unterschieden bisher doch ziemlich heimelige gegenseitige Verstehenwollen zwischen den Communities wird in «Istanbul» einem gründlichen Stresstest ausgesetzt.
Zunächst bestimmen Menschenrechtsverletzungen den Common Ground. Auf die eindrucksvolle Verlesung eines Briefs der vorläufig freigelassenen Schriftstellerin Arsli Erdogan folgt ein nicht weniger ergreifender Haftbericht von Dogan Akhanli. Er war nach dem Militärputsch 1980 als Kommunist verhaftet und gefoltert worden, konnte mit seiner Familie 1991 nach Deutschland fliehen und lebt als Schriftsteller in Köln. 2010 wurde er am Istanbuler Flughafen wieder festgenommen, als er seinen sterbenden Vater besuchen wollte, und kam erst nach Monaten durch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2017
Rubrik: Neue Stücke, Seite 27
von Franz Wille
Sköne Oke» radebrecht der unheimliche italienische Händler, als er Brillen verkaufen will. Schöne Augen macht auch Robert Wilson dem Publikum in seiner Version von E.T.A. Hoffmanns Gruselgeschichte vom armen Nathanael.
Die Mutter erzählt ihm das Ammenmärchen vom bösen Sandmann, der den Kindern die Augen stiehlt, wenn sie nicht schlafen wollen. Der Vater stirbt bei...
Zwei Stücke hat Philipp Löhle bereits geschrieben, in denen er uns die normative Sozialisation eines Sohnes und einer Tochter vor Augen führte. In «Du (Normen)» und «Du (Norma)» war man Zeuge artspezifischer Lebensläufe und bis zur Kenntlichkeit entstellter Familienstrukturen. Um Familie geht es auch jetzt. Wir sehen: einen Vater, eine Mutter, den Sohn, die...
Unter Tage wird geschuftet. Nähmaschinen rattern, Zuschneideapparate kreischen, Ventilatoren surren, und aus dem fensterlosen Lagerhintergrund dringen diffuse Dröhn- und Stampfgeräusche. Neonröhren und vergitterte Fernsehbildschirme, über die der tschechische Trickfilm «Der kleine Maulwurf» flackert, spenden fahles Licht, zwischen Tischen und Raumteilern,...
