Die hohe Dame

Zum Tod von Inge Keller

Die am 6. Februar im Alter von 93 Jahren verstorbene Inge Keller hielten viele Theaterleute für eine «Schwierige»; zudem galt sie als «Staatskünstlerin» der DDR und als Aristokratin. Sie war aber nur eine Berlinerin aus gutem Hause, die 1950, nach Anfängerjahren noch während des Krieges im Theater am Kurfürstendamm, in Freiberg und Chemnitz, ab 1945 wieder in Berlin, mit ihrem Liebhaber Karl-Eduard von Schnitzler (mit dem sie vor dessen Karriere beim DDR-Rundfunk als «Lügen-Ede» einige Jahre verheiratet war) aus politi­scher Überzeugung nach Ostberlin übersiedelte.

Sie trat immer noch erfolgreich als «Pützchen» in «Des Teufels General» bei Barlog im Schloßpark-Theater auf und spielte hier an der Seite von Horst Caspar die Leni in der Dramati­sierung des Kafka-Romans «Der Prozess» von André Gide und J. L. Barrault. Im Hebbel-Theater hatte sie in Helmut Käutners Inszenierung von Millers «Der Tod des Handlungsreisenden» mitgewirkt und sollte nun die Eboli im «Don Carlos» unter Kortner spielen; sie musste absagen, weil Wolfgang Langhoff darauf bestand, dass sie den schon mit dem Deutschen Theater abgeschlossenen Vertrag antrat. Das DT wurde «ihr» Theater, dem sie ein halbes Jahrhundert ...

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Theater heute März 2017
Rubrik: Nachruf, Seite 46
von Klaus Völker

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