Sinn im Überfluss
Den Skandal gab es schon vor der Premiere. Das Dortmunder Theater warb für Thirza Brunckens «Faust»-Inszenierung mit einem Plakat, auf dem das Foto eines Mannes mit blutig geschlagenem Gesicht zu sehen war. Offensichtlich hatte ihn jemand mit Faustschlägen traktiert. Darüber prangte, wie über allen Dortmunder Theaterplakaten, der Spruch: «Willkommen in Dortmund».
So war die Premiere keine Überraschung mehr: Überdeutlich ist der Wille, dem prominentesten Paradestück der deutschen Theaterkultur neue Perspektiven abzugewinnen.
Mit allen der Regisseurin, dem Bühnenbildner und dem Dramaturgen zur Verfügung stehenden Mitteln, Texten, Materialien, Verweisen wird Goethe überhäuft, um zu prüfen, ob der Klassiker noch zurückschlägt. Christoph Ernst hat eine schräg verkantete Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad auf die Bühne gestellt, die angefüllt ist mit modernem Wohnungsgerät und alltäglichem Krimskrams, Krempel, Zeug, Abfall. Bücher, Küchengerät, Möbel, Schallplatten, Lebensmittel, Kleidungsstücke, Zeitungen, billiger Nippes – alles stapelt sich, wimmelt auf dem Boden, in den Ecken. So viel weiß man sofort: Faust ist ein Messie. Darüber prangt die Reproduktion einer Fotografie des ...
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Man könnte einfach den Artikel wechseln. Dann wäre es nicht mehr «Der Faust», sondern die Faust und würde geballte Kraft und Energie symbolisieren. Vorwärts in eine hoffnungsvolle Zukunft gehen als Veranstalter gemeinsam: der Deutsche Bühnenverein, die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste, die Kulturstiftung der Länder und das Land NRW.
Es sei «die uralte Idee...
Wenn Freunde und Weggefährten sich an ihn erinnern, dann sprechen sie voller Zärtlichkeit von einem Wüstling. Von einem, so klingt das manchmal, der längst verloren war, bevor sie ihn verloren haben. Der rabiat mit sich und mit anderen umsprang und dabei höchst empfindsam – und empfindlich – war.
Mit Dieter Roth, dem 1998 verstorbenen vielseitigen Künstler,...
Nicht, dass London ein verschärftes Alkoholproblem hätte. Seit die uralten englischen Lizenzgesetze letztes Jahr gelockert wurden und besonders in den Großstadtpubs der Ausschank nicht mehr gnadenlos um 23 Uhr endet, ist der einzige Unterschied, dass die Kleingruppen trunkener und taumelnder Angelsachsen nicht mehr alle wie auf Kommando auf die Straße stürmen,...
