Notfallplan Parallelaktion
Eine Frau und ein Mann sitzen an einem Tisch. Er fragt, sie antwortet nicht nur mit ja oder nein, so die Verabredung. Es funktioniert nicht gleich auf Anhieb. Erst weicht sie aus, wehrt ab oder greift im Gegenzug an, um schließlich doch Intimes preiszugeben. Eine Feier des Gewesenen, das bei aller elegischen Verklärung ein subtiles Grauen verströmt, und ein Liebesspiel der Worte, nicht ohne die altherrliche Attitüde des Eindringens in die andere Biografie, in der der Mann wohl selbst auf eine Weise vorgekommen ist, die nie ganz deutlich wird.
Nach dem Eintauchen in die kriegsversehrte slowenische Familienwelt in dem Mehrgenerationenepos «Immer noch Sturm» gründelt Handkes jüngstes Zwei-Personen-Stück «Die schönen Tage von Aranjuez» so leger an der sommerluftigen Oberfläche, dass offen bleibt, ob hinter der Erzählung der Frau von ihrer sexuellen Initiation als Zehnjährige auf der Kinderschaukel womöglich etwas Gewaltsames schlummert, oder ob es sich bei der erotisch getönten und mit Naturbetrachtungen verzierten Plauderei schlicht um die vielseitig verwendbare Vorlage für das Tête-à-tête zweier Schauspieler handelt. Was also tun mit einem Stück, das ausdrücklich kein Drama, sondern ...
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Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Chronik: München Residenztheater, Seite 60
von Silvia Stammen
Klingt schwer nach Anmaßung: Circa 1.000 Seiten lang ist Hermann Melvilles Jahrhundertroman «Moby Dick» auf Deutsch, 150 Minuten Theaterzeit gewährt ihm in Hamburg Antu Romero Nunes. Allein ist er mit dieser Zurechtstutzungs-Chuzpe allerdings nicht. Melvilles sperriges Amalgam aus Apokalypse und Literaturverweisen, gewundenster Hoch- und Fachsprache neben krudem...
Der eine ist ein früher Bruder von Roland Koch, Ole von Beust, Horst Köhler und entdeckt in der stalinistischen Phase der Französischen Revolution das Sensibelchen in sich. Robespierre dagegen, anders als St. Just noch ein Lehrling des angewandten Machiavellismus, gibt für kurze Zeit tatsächlich den skrupellosen Machtpolitiker, um einige Monate später selbst unter...
Der Deutsche Bühnenverein will das deutsche Ensemble- und Repertoiretheater als nationales immaterielles Kulturerbe (IKE) verzeichnen lassen. Die in der allzu knappen Aussprache auf der Jahreshauptversammlung 2013 des Deutschen Bühnenvereins in Kiel geäußerten Gründe – die Aufnahme ins Verzeichnis sei doch durch die Einmaligkeit unserer Theaterlandschaft motiviert,...
