Bayreuth is (not) burning
In Bayreuth ist auch der Zuschauer anschauenswerth, es ist kein Zweifel», schreibt Friedrich Nietzsche 1876. Er wirft damit kein parodistisches Licht auf das Publikum, das überlässt Nietzsche der «sehr unmagischen Laterne unserer witzelnden Zeitungsschreiber». Nein, der Denker betont die Exzentrik der Veranstaltung, um nicht nur die Kunst, sondern auch das Publikum ins überzeitliche Licht zu rücken. Die Zuschauer sind die «Unzeithgemäßen», welche die Ewigkeit erblicken.
200 Jahre nach Wagners Geburt sind tatsächlich ein paar Dinge gleich geblieben.
Zum Beispiel steht das Publikum noch immer im Zentrum vieler zeitgemäßer Bayreuth-Beobachtungen. Vielleicht, weil man als Lohnschreiber auf dem Grünen Hügel massiv sozial überschichtet wird – diesen Unterschied kann kein Anzug ausbügeln. Aber wer in einem Jaguar als Pausenliege noch keine Provokation erkennt, und wer nichts gegen die vielen Frauendarstellerinnen im Publikum hat, deren wunderbar pompöser Look sich von Transgender Queens nur durch die fehlende Zigarette unterscheidet, der hat bald weniger zu schauen als zu hören. Denn es knistert im Parkett. Auch die Distanz durch das doppelte Proszenium im Festspielhaus verhindert nicht, ...
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Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Tobi Müller
Am Starnberger See vorbei, Murnau vorüber, dann Garmisch, Kloster Ettal – und hinein ins Bilderbuchdorf voller Holzschnitzer-Läden, Pensionen und Hotels im blitzsaubren Alpenstil: Da steht auch schon die Monumentalscheune des Passionstheaters, wo vor drei Jahren allabends an die 5.000 Gäste dem stürmischen Aufstieg des Revoluzzers Jesus zugeschaut haben – und...
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Pünktlich zum Start des Internationalen Sommerfestivals hat sich der Sommer vorerst aus Hamburg verabschiedet. Das erfüllt alle Klischees über die Hansestadt, ist aber für ein Theater-, Kunst- und Musikfestival nicht weiter schlimm, einzig der Erholungsbereich des Festivals leidet ein wenig unter dem Schmuddelwetter. Die Hamburger Künstlergruppe Baltic Raw hat...
