Ein Lachgas der Zukunft anmischen
Politisches Theater – dies bestätigen aktuelle Festivals, die Positionen zeitgenössischer Dramatik eine Plattform geben wie der Heidelberger Stückemarkt oder das Münchner Festival «Radikal jung» –, politisches Theater kommt derzeit eher nicht aus Deutschland, sondern aus dem Ausland. Aus den Ländern des arabischen Frühlings etwa, in denen das Theater als Sprachrohr der jungen und höchst labilen Demokratie dient oder solchen wie Ungarn, in denen diese junge Demokratie schon wieder im höchsten Maße bedroht ist.
Hierzulande wird dagegen immer wieder geklagt und gejammert über mangelnde Welthaltigkeit und Relevanz der neueren deutschen Dramatik, über fehlende Tiefe, Allgemeingültigkeit und eine allzu niedrige Halbwertzeit. Sattsam bekannt ist das Lamento über Privatismus und Innerlichkeit, über die versponnene Philosophistik und den raunenden Romantizismus der jungen Stückeschreiber. Poetische Überhöhung einer allzu erfahrungslosen Lebenswirklichkeit und gediegenes dialogisches Kunsthandwerk – mehr scheint man von den dichtenden Empfängern staatlicher Transferleistungen nicht erwarten zu können, die das Theater als vergleichsweise durchlässigen Ort einer diffusen Kreativität für sich ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Neue Stücke, Seite 34
von Christopher Schmidt
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