In Wäldern und Kellern

Michael Thalheimer inszeniert in München den «Sommernachtstraum», Ulrich Seidl verfolgt «Böse Buben/Fiese Männer»

Wald und Keller gelten gemeinhin als Orte der Unübersichtlichkeit, als Fluchträume, in denen die reglementierenden Kräfte von Staat und Über-Ich keinen Zugriff haben oder zumindest nur einen Teil ihrer Macht entfalten können als unheimliche Anziehungspunkte, an denen man in der Begegnung mit sich selbst das Fürchten lernen kann.

In München haben sich – rein zufällig kurz hintereinander – zwei Regisseure dorthin auf Recherchereise begeben: Michael Thalheimer mit Shakespeares «Sommernachtstraum» am Residenztheater und Ulrich Seidl mit einer Collage aus David-Foster-Wallace-Texten und Improvisationen an den Münchner Kammerspielen.

Galeerensträflinge im Klammergriff


Der Wald ist ein Wall, ziemlich nah an der Rampe, die Baumstämme dicht an dicht in den Boden gerammte Poller, eine Festung. Hippolyta wirft sich gleich zu Beginn dagegen, aber hier ist weder Eindringen noch Entkommen möglich, nicht einmal ein Elfenflügel passt dazwischen.

Bühnenbildner Olaf Altmann hat auf der Riesenbühne des Münchner Residenztheaters eine seiner karg-klaren Raumvisionen installiert, die keine Kompromisse machen – manchmal auf Kosten der Bespielbarkeit – und auf den ersten Blick verdichten, um was es im Laufe ...

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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Silvia Stammen

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