Weltbrachenbespielung

Eine «Weltausstellung» auf dem Tempelhofer Feld

Jetzt geht er nach Beirut. Auch so eine Stadt, in der nach 16 Jahren Bürgerkrieg die Brachen reichlich sind. Brachen scheinen Mat­thias Lilienthal zu beflügeln. Und in Euro­pa ist Berlin die Brachenstadt schlechthin, längst nicht mehr kriegs- und kaum noch wendebedingt, sondern vor allem als Folge eines einzigen Planungsdebakels: der neue Flughafen Berlin-Brandenburg, der partout nicht fertig wird, die Flughafengelände von Tempelhof und Tegel aber zu riesigen Leerflächen in und am Rande der Stadt gemacht hat und machen wird.

Früh schon hat Lilienthal zu verstehen gegeben, das einer der Hangars im alten Flughafengebäude von Tempelhof sein Wunschort für die Zeit nach dem HAU wäre: ein riesiger lee­rer Raum für ein Versuchslabor auf der Schnitt­stelle von Performing und jeder anderen Art. Der leere Ort und 5.000.000 Euro im Jahr, und Berlin hätte den Mann mit dem Fliegernamen zurück. Wird erstmal nichts werden, sämtliche Hangars sind für die nächsten zehn Jahre der Mode-Messe Bread & Butter versprochen, ein Lieblingsprojekt von Klaus Wowereit, zwar nur für zwei Monate im Jahr, diese Blockade reicht aber völlig, die Kunst auf Abstand zu halten.

Mit dem Rad durch die Welt

Also machte ...

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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Barbara Burckhardt

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