Cornelia Fiedler: Dringlichkeit? Gefällt mir.

Zulieferer nach Maß oder Ideenschmiede für das Theater der Zukunft? Die Regieausbildung formiert sich neu. Eine Zwischenbilanz des Wandels vom Körber Studio Junge Regie

Mit einem bunten Strauß an schlechten Nachrichten eröffnet Joachim Lux das Körber Studio Junge Regie. Der Theaternachwuchs nimmt ihn im Foyer des Thalia in der Gaußstraße angemessen ungemütlich im Stehen entgegen: Die Kultur werde «sturmreif geschossen», diagnostiziert Lux mit Blick auf die niederländischen Sparexzesse und das gerade druckfrische Pamphlet «Kulturinfarkt». In Politik und Gesellschaft sieht der Thalia-Intendant das «Verständnis für das nicht Populäre, nicht an der Kasse Erfolgreiche schwinden».

Den Regiestudierenden, angereist von elf Regieschulen im deutschsprachigen Raum und aus Amsterdam, um ihre Abschluss-Inszenierungen zu zeigen, prophezeit Lux: «Vor euch liegt eine Zukunft, in der ihr die neue Elite der Kunstproduktion sein könnt – und möglicherweise zugleich das neue Prekariat.» Sprach’s und wünschte viel Vergnügen. Mögen die Spiele beginnen.

Morituri te salutant? Weit gefehlt. Wer sich heute für einen künstlerischen Studiengang entscheidet, weiß um die unsichere Lage der Zunft – und hoffentlich auch, warum er oder sie das dennoch tut. Mit seinem dystopischen Vorstoß eröffnet Lux trotzdem ein zentrales Diskussionsfeld des Festivals und des Regiestudiums an ...

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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Regieausbildung, Seite 22
von Cornelia Fiedler

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