Zurück zur Frage

In Israel werden die streng Religiösen immer mehr. Die Gegenbewegung ist klein, aber es gibt sie: «Out of Mea Shearim» ist ein Theaterprojekt über Aussteiger aus der Ultra-Orthodoxie. Eine Reportage aus Israel

Ein Freitag im März, 17.00 Uhr. In circa einer Stunde geht in Israel die Sonne unter. Dann beginnt der Sabbat. Durch die Gassen und über die kleinen Plätze des Viertels Mea Shearim in Jerusalem huschen Männer in langen schwarzen Mänteln; unter gewaltigen Fellmützen winden sich Schläfen­locken hervor, in der Hand halten sie Plastiktüten voll mit Einkäufen. Sobald sie die Fremden sehen, senken sie den Blick. Ein junger Mann dreht abrupt um, ein anderer spuckt aus, als er die Eindringlinge überholt.

«Groups passing through our neighbourhood severely offend the residents», hatte das Schild am Eingang gewarnt, das einzige auf Englisch: Die mannigfachen Verlautbarungen, die die Mauern in Mea Shearim pflastern und die verbotenen Zeitungen ersetzen, sind sämtlich auf Hebräisch.

Hier wohnen ausschließlich ultra-orthodoxe Juden, Haredi nennen sie sich. Sie leben strikt nach den Regeln der Thora, und wenn der Sabbat naht, wird die Abschottung vollständig: Kein Auto darf mehr hin­einfahren ins Viertel, die Frauen sind schon Stunden vorher aus dem vermüllten Straßenbild verschwunden, sie kochen und bereiten das wöchentliche Festmahl zu. Nur die Kinder, viele, spielen in den Straßen, und noch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2015
Rubrik: Ausland, Seite 50
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Ich fühle, also bin ich

Unheimlich wirkt Budapest in diesen ersten Filmbildern. Die Kamera folgt einem jungen Mädchen auf seinem Fahrrad durch die menschenleeren Straßen, vorbei an einem Auto mit offenen Türen; die Warnleuchten blinken. Plötzlich biegt in einer ebenso großartigen wie beängstigenden Massenchoreografie eine gewaltige Hundemeute um die Ecke und hetzt hinter dem Mädchen her....

Freunde von Freunden

Typen, die in rasant surrealen Erzählstücken und Lectures eine höchst eigene Poesie dem globalen Konsumkapitalismus entgegenstemmen, die lateinamerikanische Folter und Slum-Szenarien mit Warenweltgrotesken mixen und Politprotest mit religiösen Gesten aufladen, Typen, die sich zwischen ihren ruhigen Frontalvorträgen mit heiliger Gemessenheit in Milchpfützen suhlen...

Dichter Dante und Puppe Pippa

Große Stoffe lesbar erzählen» soll das Kölner Schauspiel, sagt Intendant Stefan Bachmann. Dazu zwei Beispiele des Kölner Erzähltheaters, das mehr sein will als nur Leseförderung. 

Dantes «Göttliche Komödie» ist wahrscheinlich das am häufigsten nicht zu Ende gelesene Buch der Literaturgeschichte. Der erste Teil, die Höllenfahrt des «Inferno», fasziniert alle. Danach...