«Das Mitbringen von Plakaten ist erwünscht!»

Die Wende wird 25. Sie hat längst ihre eigenen Mythen geschaffen: Dresden, Leipzig, Berlin. Doch die friedliche Revolution entstand ebenso in den Theatern jenseits der Zentren – historische Eindrücke aus Schwedt, Rudolstadt und Erfurt

Der Sekretär kam nicht. Da saßen sie nun am 13. Oktober 1989 im Intimen Theater Schwedt, um mit dem SED-Genossen Hahn und der Kreis- und Bezirksleitung über die kulturpolitische Ausrichtung des Theaters zu sprechen. Das Ensemble war da, Techniker und natürlich Intendant Klaus Tews und seine Oberspielleiterin Tatjana Rese, in gewisser Weise die Auslöser für das Treffen.

Beide waren seit der Spielzeit 1986/87 am Haus, und besonders Reses Inszenierungen von Georg Seidels Stücken «Jochen Schanotta» und «Königskinder» hatten für Aufregung gesorgt, selbst die Westpresse hatte berichtet – das höchste Lob für DDR-Theaterkünstler.

Doch zugleich war das Treiben verdächtig. «Wir wollten Fragen stellen, freches Theater machen und uns in den Diskurs einmischen», erzählt Rese heute. Also zeigte man nicht nur Stücke, sondern lud auch zu Pub­likumsgesprächen. Die Stasi war mit dabei und hielt über die Oberspielleiterin fest, dass sie feindlich negativen Einfluss auf sozialistische Bühnen brächte und die politische-operative Entwicklung nicht positiv sei. Aktueller Auslöser war da ihre «Räuber»-Inszenierung von 1989, in die Rese unter anderem Auszüge einer Honecker-Rede zur DDR-Grenze montiert ...

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Theater heute November 2014
Rubrik: Zeitgeschichte, Seite 28
von Torben Ibs