Zehn Punkte für KünstlerInnen, die mit Geflüchteten arbeiten wollen

Ein kleiner Leitfaden für politisch engagierte Kunst

Theater heute - Logo

1. Prozess, nicht Produkt
Wir sind keine Ressource für dein nächstes künstlerisches Projekt. Du magst in deiner speziellen Kunst talentiert sein, aber denke nicht, dass das automatisch zu einem ethischen, verantwortlichen und selbstbestimmten Prozess führt. Beschäftige dich mit der Entwicklungsdynamik von Gruppen, aber bedenke auch, dass es keine absolut verlässliche Methode gibt. Wer und welche Institution profitiert von dem Austausch?

2.

Hinterfrage deine Absichten
Unser Kampf ist keine Gelegenheit, unser Körper keine Währung, auf der du deine Karriere aufbauen kannst. Statt dich vor allem auf das «Andere» («Wo finde ich Flüchtlinge ...» etc.) zu fokussieren, unterziehe deine eigene Intention einer kritischen Analyse. Was ist deine Motivation, an dieser konkreten Sache zu arbeiten? Warum gerade jetzt?

3. Sei dir deiner eigenen Privilegien bewusst
Welche Vorurteile und Intentionen, selbst wenn du sie als «gute Absicht» verstehst, bringst du mit? Welche soziale Position (und Macht) bringst du ein? Überlege, wieviel Raum du selbst einnimmst. Spüre, wann es Zeit ist, etwas zurückzutreten.

4. Teilhabe ist nicht immer fortschrittlich oder bestärkend
Dein Projekt mag Elemente von Teilhabe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2016
Rubrik: Flüchtlinge und Theater, Seite 39
von Tania Cañas

Weitere Beiträge
Migration und Hintergründe

Ziemliches Pech für Amir Kapoor. Gerade noch ein aufstrebender Staranwalt in New York, der sich 600-Dollar-Hemden kauft und seine Mitarbeiter auch am Wochenende zusammenfaltet, wenn sie nicht sofort zurückrufen, doch keine drei Szenen weiter liegen Karriere und Privates in Trümmern. Job weg, Frau weg, Wohnung weg. Und alles nur, weil er seinem Neffen Hussein einen...

Diese schreckliche Indifferenz

In Jean Baudrillards Denken, vor allem seinem späten, rechten Ideologien zuneigendem, gibt es eine starke Verkettung von Langeweile und Hass. Sein ständiger Abgesang auf die geistlose Leere der modernen Gesellschaft, auf die verderbliche westliche Werte-Suggestion durch Warenanreize und das mediale Ereignis-Voodoo, zeugte recht offen von seiner Sehnsucht nach dem...

Hamburg: Im Fortschritts-Express

In der Betonwand klafft ein riesiges Loch, durch das eine überdimensionale Lokomotive gebrochen ist. Jetzt steht sie da, dampfend – und wartet auf neue Ziele. Die Eisenbahn, sie wird in Suse Wächters Inszenierung des Hauptwerkes von Günther Anders zum Sinnbild für den technologischen Fortschritt. Und zum Startschuss einer Entwicklung, die den Menschen an ihrem Ende...