Wunst und Verschwörung
Nein, bitte keine Hommage! Die hätte er sich bitterlich verbeten. Wenn schon, dann eine demütige Demontage, mit Wiedergebrauchsanleitung womöglich ... Ein durchaus ambivalentes Verhältnis unterhalten die Münchner zum seinerzeit frenetisch gefeierten und zu Lebzeiten auch wieder vergessenen Sohn ihrer Stadt Karl Valentin, dem Größen wie Brecht und Beckett ihre Reverenz erwiesen und dessen Kunst der Komik in Sprache und Körper stets vom Schlimms -ten ausging: dem unbezähmbaren Schrecken des Alltags, gepaart mit der ewigen Angst vor dem Untergang.
Ein Leben zwischen Ruhm und Pleiten, Glanz und grummelndem Verstummen in der inneren Emigration bis zum beinahe buchstäblichen Verhungern, als ihn nach dem Zweiten Weltkrieg kaum mehr jemand sehen oder hören wollte. Gestorben ist er an den Folgen einer Lungenentzündung, die er sich geholt haben soll, als man ihn versehentlich über Nacht im eisigen Keller seiner letzten Wirkungsstätte, des Kabaretts «Bunter Würfel», eingeschlossen hatte. Was für ein Finale! Zuvor hatte noch der Bayerische Rundfunk eine geplante Hörfunkreihe kurzfristig wieder eingestellt, weil die Hörer Valentins Humor als zu pessimistisch empfanden. Dass bei der Beerdigung ...
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Theater heute Februar 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
Ein alter Mann (Edgar Selge) findet einen toten Jungen im Bett und stammelt «Papa». Was kann das sein? Es wird einige Zeit dauern, bis sich das Rätsel aufklärt: Der alte Mann ist eigentlich eine junge Frau, die sich in diesen fragilen Körper begeben hat, der tote Junge eigentlich ein alter Mann, ihr Vater, der im fremden jungen Körper an einem Aneurysma gestorben...
«Addicted to you», schallt es verheißungsvoll über die Bühne. Hinter Wänden aus dünnen weißen Fäden, aus denen Philip Rubner und Alexander Grüner drehbare Räume gebaut haben, geben sich die beiden Protagonisten Othello (Calvin-Noel Auer) und Desdemona (Nadja Robiné) in einem Kingsize-Bett auf Rollen dem Liebesspiel hin. Desdemona erhält ihr Tuch als Liebespfand,...
Was macht die Liebe in der Theaterkritik? Den großen Unterschied, so hat es Nikolaus Merck in seinem letzten Text für nachtkritik.de beschrieben, in dem er sich auf einen Essay von Andreas Wilink bezog. Sie sei die Abgrenzung zur Beckmesserei, zudem «der Antrieb für die Einsamkeitsakrobatik des Schreibens». Am Ende also gar «das Geheimnis der Kritik».
Niko war ein...
