Wunst und Verschwörung

Am Residenztheater präsentiert Claudia Bauer «Valentiniade» auf den Spuren eines unübertroffen Widerspenstigen, und in den Kammerspielen verirren sich Alejandro Tantanian und Oria Puppo in den Fallstricken einer Verschwörungserzählung Roberto Arlts: «L7L – Die Sieben Irren»

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Nein, bitte keine Hommage! Die hätte er sich bitterlich verbeten. Wenn schon, dann eine demütige Demontage, mit Wiedergebrauchsanleitung womöglich ... Ein durchaus ambivalentes Verhältnis unterhalten die Münchner zum seinerzeit frenetisch gefeierten und zu Lebzeiten auch wieder vergessenen Sohn ihrer Stadt Karl Valentin, dem Größen wie Brecht und Beckett ihre Reverenz erwiesen und dessen Kunst der Komik in Sprache und Körper stets vom Schlimms -ten ausging: dem unbezähmbaren Schrecken des Alltags, gepaart mit der ewigen Angst vor dem Untergang.

Ein Leben zwischen Ruhm und Pleiten, Glanz und grummelndem Verstummen in der inneren Emigration bis zum beinahe buchstäblichen Verhungern, als ihn nach dem Zweiten Weltkrieg kaum mehr jemand sehen oder hören wollte. Gestorben ist er an den Folgen einer Lungenentzündung, die er sich geholt haben soll, als man ihn versehentlich über Nacht im eisigen Keller seiner letzten Wirkungsstätte, des Kabaretts «Bunter Würfel», eingeschlossen hatte. Was für ein Finale! Zuvor hatte noch der Bayerische Rundfunk eine geplante Hörfunkreihe kurzfristig wieder eingestellt, weil die Hörer Valentins Humor als zu pessimistisch empfanden. Dass bei der Beerdigung ...

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Theater heute Februar 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen

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