Wunst und Verschwörung
Nein, bitte keine Hommage! Die hätte er sich bitterlich verbeten. Wenn schon, dann eine demütige Demontage, mit Wiedergebrauchsanleitung womöglich ... Ein durchaus ambivalentes Verhältnis unterhalten die Münchner zum seinerzeit frenetisch gefeierten und zu Lebzeiten auch wieder vergessenen Sohn ihrer Stadt Karl Valentin, dem Größen wie Brecht und Beckett ihre Reverenz erwiesen und dessen Kunst der Komik in Sprache und Körper stets vom Schlimms -ten ausging: dem unbezähmbaren Schrecken des Alltags, gepaart mit der ewigen Angst vor dem Untergang.
Ein Leben zwischen Ruhm und Pleiten, Glanz und grummelndem Verstummen in der inneren Emigration bis zum beinahe buchstäblichen Verhungern, als ihn nach dem Zweiten Weltkrieg kaum mehr jemand sehen oder hören wollte. Gestorben ist er an den Folgen einer Lungenentzündung, die er sich geholt haben soll, als man ihn versehentlich über Nacht im eisigen Keller seiner letzten Wirkungsstätte, des Kabaretts «Bunter Würfel», eingeschlossen hatte. Was für ein Finale! Zuvor hatte noch der Bayerische Rundfunk eine geplante Hörfunkreihe kurzfristig wieder eingestellt, weil die Hörer Valentins Humor als zu pessimistisch empfanden. Dass bei der Beerdigung ...
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Theater heute Februar 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
«Addicted to you», schallt es verheißungsvoll über die Bühne. Hinter Wänden aus dünnen weißen Fäden, aus denen Philip Rubner und Alexander Grüner drehbare Räume gebaut haben, geben sich die beiden Protagonisten Othello (Calvin-Noel Auer) und Desdemona (Nadja Robiné) in einem Kingsize-Bett auf Rollen dem Liebesspiel hin. Desdemona erhält ihr Tuch als Liebespfand,...
Das Theater Lüneburg ist ein typisches Dreispartenhaus. Schauspiel, Musiktheater, Ballett, drei Spielstätten, von denen das Große Haus, ein einer Mehrzweckhalle ähnlicher Zweckbau, 542 Zuschauer:innen fasst. Seit 2010 macht Intendant Hajo Fouquet hier ein Programm, das möglichst viele Teile der 75.000-Einwohner-Stadt ansprechen soll. Diese Saison sind unter anderem...
«Von hinten war es lustiger als von vorne», sagte der britische Dramatiker Michael Frayn, als er von der Seitenbühne aus eine Aufführung seines Stücks sah. Davon inspiriert, schrieb er «Der nackte Wahnsinn». Vor 40 Jahren wurde die Komödie in London uraufgeführt, 1992 in der Regie von Peter Bogdanovic verfilmt, mittlerweile ist sie Kult. Ein verdammt schlechtes...
