Wien: Endstation Windel

nach Dimitri Verhulst «Rosa oder Die barmherzige Erde»

Der Belgier Luk Perceval, 60, hatte schon einmal weniger Respekt vor dem Alter. In seiner sehr freien Shakespeare-Bearbeitung «L. King of Pain» (2002) gab Thomas Thieme einen Lear als Alzheimer-Patienten, der seine Angehörigen auf eine harte Probe stellte. Als fleischgewordene Zumutung waren «Scheiße» und «Fotze» seine Lieblingswörter, in seiner Altersgeilheit grapschte er sogar nach seinen Töchtern. Abscheu und Mitleid hielten sich an dem Abend bestenfalls die Waage.

 

Für sein spätes Debüt am Akademietheater wählte Perceval erneut das Thema Demenz, schließlich sei das Publikum – nicht nur in Wien – überaltert, und Burgtheater, das klinge nach «gutem, reifem Käse», meinte der Regisseur in einem Interview. Aber die Tonlage hat sich verändert, Perceval schenkt seinem in die Jahre gekommenen Personal eine Überdosis an Empathie. Schon der Beginn von «Rosa oder Die barmherzige Erde» ist erstaunlich zart: Ein «Vergissmeinnicht-Chor» aus greisen Damen wird von Krankenpflegern durch den Zuschauerraum auf die Bühne geleitet, sie legen sich erschöpft im kargen Holz-Amphitheater, das ihnen Katrin Brack gebaut hat, zum Schlafen. Nur ein Patient ist hellwach: Desiré, 74, ein ehemaliger ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Karin Cerny

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