Wenn’s nur der Aluhut wäre

Lothar Kittstein, Ulf Schmidt, Volker Lösch «Angst» im Theater Bonn

Bis eben war alles nachvollziehbar: Existenzangst, Angst vor Einsamkeit, vor Altersarmut, vor dem Bankrott im Lockdown, vor Heidi Klum, vor dem Tod – man kennt die Sorgen, die das schwarz gekleidete Ensemble, am hinteren Bühnenrand aufgereiht, aus Interviews mit Bonner Bürger:innen zitiert. Plötzlich ein Satz: «Was haben wir für eine Scheißangst», raunt jemand aus dem «besorgten» Chor.

In Wort und Tonfall ist Ken Jebsen zu erkennen, ehemaliger rbb-Journalist, Verschwörungsgläubiger der ersten Stunde und leider ein begnadeter Menschenfänger mit Hang zu strukturell antisemitischen Welterklärungen. Das Zitat stammt aus einem KenFM-Video aus dem Frühjahr 2020. Darin hetzt Jebsen, geschminkt als Joker, wie einst sein Vorbild, der rechte amerikanische Prediger Alex Jones, gegen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. 

Jetzt ist klar, wohin die Reise geht in der Uraufführung von «Angst»: Die Autoren Lothar Kittstein, Ulf Schmidt und Regisseur Volker Lösch knöpfen sich die Querdenker-Szene vor, insbesondere deren offene Flanke zum Rechtsextremismus. Auf der Suche nach den Mechanismen und Motiven, derer sich die Bewegung bedient, entdecken sie Parallelen zur Hexenverfolgung, die im 17. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2022
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Cornelia Fiedler

Weitere Beiträge
Die Kolonie

Den Anfang machen ein paar harmlose Fragen. Ob man seinen Job verloren habe. Ob sich die Miete verdoppelt oder der Vermieter einen rausgeworfen habe. Ob man eine Versicherung habe. Das nächste Set, «Der Schlüssel zum Glück», erzählt von einem ausgebeuteten Barkeeper, der, als sein ohnehin gesetzeswidriger Untermindestlohn ausbleibt, nach und nach das Mobiliar...

Ausstellungen, TV 3/22

BERLIN, AKADEMIE DER KÜNSTE
bis 13.3. (Finissage)//Erich Wonder T/Raumbilder für Heiner Müller
Mitte der 1970er Jahre trafen der Autor Heiner Müller und der Bühnenbildner Erich Wonder am Schauspiel Frankfurt zum ersten Mal aufeinander. Die Ausstellung präsentiert diese Arbeitsprozesse in Gemälden, großformatigen Aquarellen, Zeichnungen, Übermalungen und Fotografien...

Barocke Innenaustattung

«Wir werden wieder miteinander tanzen können», das ist ein Stücktitel, der all die Gefühle auf den Punkt bringt, die sich im Theater nach zwei Jahren Pandemie aufgestaut haben. Tatsächlich entpuppt sich «Avremo ancora l’occasione die ballare insieme» von Daria Deflorian und Antonio Tagliarini als sentimentale Theaterpoesie, in der eine Touristengruppe in der...