Weiß-blaue Voodoo-Zeremonie
«Wir Schwarzen müssen zusammenhalten› – eine Erwiderung» – das Titelzitat ist an sich schon eine Steilvorlage für einen postkolonialen Enthüllungszauber, wie ihn das vielköpfige Team um den Regisseur Jan-Christoph Gockel und den deutsch-togoischen Schauspieler Komi Togbonou an den Münchner Kammerspielen präsentiert. Als appropriative Erweiterung des allseits beliebten «Mir san mir» geistert der Spruch gelegentlich noch durch Fußballstadien oder ostentativ renitente Altherrenrunden.
Dabei liegt der historische Ursprung tief in der deutsch-afrikanischen Kolonialvergangenheit und einem bis heute gerne beschönigenden Blick darauf.
Franz Josef Strauß prostete ihn Anfang der 1980er Jahre bei einem seiner zahlreichen Staatsbesuche in Togo seinem Duzfreund, dem autokratischen Machthaber Gnassingbé Eyadema, zu. Gemeint war damit die gut geschmierte Vetternwirtschaft, die auch nach dem Ende der Kolonialherrschaft munter weiterflorierte. Die besonders effektive Ausplünderung der «Musterkolonie» Togo durch das deutsche Kaiserreich zwischen 1884 und 1914 feierte man ungerührt als den Beginn einer «100-jährigen deutsch-togolesischen Freundschaft», und ein geschickter Geschäftemacher wie der ...
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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 50
von Silvia Stammen
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