Wehret der Normalisierung!
Um autoritären Bedrohungen in liberalen Demokratien nachzugehen, muss man sich vor allem um Entwicklungslinien kümmern und nicht nur Einzelereignisse herausgreifen. Da gibt es auf der einen Seite eine eher langfristige Entwicklung ab dem Jahre 2000, aber auch eine kurzfristige Entwicklung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, deren politische und gesellschaftliche Auswirkungen wir noch gar nicht kennen. Bei den langfristigen Entwicklungen in den – wie ich sie nenne – entsicherten Jahrzehnten kann man einiges erkennen an autoritären Bedrohungen.
Dabei tut man gut daran, sich an Ralf Dahrendorf zu erinnern, der schon 1997 die These vertrat, wir stünden vor einem autoritären Jahrhundert.
Als Analyserahmen betrachten wir dabei sowohl die ökonomischen Entwicklungen in einem globalisierten Kapitalismus, dann deren Auswirkungen in Bezug auf soziale Integration oder Desintegration, und schießlich das Verhältnis zum politischen System. Soweit die strukturelle Ebene. Der nächste Schritt ist die Frage, wie Menschen die damit verbundenen Erfahrungen verarbeiten. Das betrifft im ökonomischen Bereich die Fragen der Statusgefährdung, im politischen Bereich die Fragen, ob man wahrgenommen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2021
Rubrik: Gesellschaft, Seite 38
von Wilhelm Heitmeyer
Die große Frage wird nicht immer gern beantwortet. «Warum Theater?», möchten Milo Rau und sein NT Gent endlich genauer wissen – natürlich auf Englisch – und fragen 106 internationale Performer*innen, Schauspieler*innen, Tänzer*innen, Regisseur*innen und Choreograf*innen nach dem Sinn ihrer Arbeit. Anlass ist Covid-19 und die damit verbundenen Lockdowns allüberall,...
Im Berliner Quintus Verlag erschien kürzlich der abschließende Band einer dreibändigen, von Deborah Vietor-Engländer herausgegebenen Sinsheimer-Werkausgabe, der in Ergänzung zur Autobiografie, einem Shylock-Buch und dem für den Jüdischen Kulturbund verfassten Theaterstück «Benjamin wohin?» ausgewählte Briefe und Theaterkritiken enthält.
Hermann Sinsheimer ist in...
Wolfgang Kralicek Die Wiener Festwochen 2020 waren fertig programmiert, als der erste Lockdown kam und irgendwann klar war, dass das Festival nicht wie geplant im Mai und Juni stattfinden kann. Diesmal ist es anders: Sie planen die Festwochen 2021, ohne zu wissen, ob und wie sie überhaupt stattfinden werden. Was ist besser?
Christophe Slagmuylder Wenn Sie so...
