Wahn mit Wucht

Der Kanadier Dave St-Pierre choreografiert am Schauspiel Frankfurt Shakespeares «Macbeth»

Egal, wie tief sich eine Aufführung in den Wahnsinn hineinarbeitet, am Ende bleibt bei «Macbeth» doch das Gefühl, dass man den Abgrund, in dem das Stück und das Ehepaar gleichen Namens versinken, verfehlt hat. «Macbeth» gilt als eher einfaches Shakespeare-Drama, vor allem wegen der einspännigen Handlung, trotzdem bleibt da etwas, was das Stück am Ende immer tiefer, abgründiger, irrsinniger erscheinen lässt als die jeweilige Aufführung. So tief kann man auf der Bühne nicht hineinbohren, wie sich der Wahn in die Seelen gefressen hat.

Vielleicht nehmen die besten Macbeth-Arbeiten der neueren Zeit, von Jürgen Gosch oder Karin Henkel etwa, die Schlamm-Blut-und-Gespenster-Tragödie deswegen von der eher coolen Seite. Sie steuern nicht direkt auf den Irrsinn zu, sondern er entsteht gleichsam nebenbei, aus der lässigen Geste. Der Schwerpunkt liegt im Spiel, und der ganze Überschuss des Wahns ist dem Raum der Vorstellung überlassen.

 

Der kanadische Choreograf Dave St-Pierre, der in Europa bisher vor allem in Frankreich gearbeitet hat und der nun am Schauspiel Frankfurt den «Macbeth» choreografiert und bebildert hat, hält dagegen direkt und – man muss das anerkennen – unbeirrt auf den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Peter Michalzik

Weitere Beiträge
«Ich will die Wurst sein»

Der Schweizer Kanton Appenzell Innerrhoden. Keine 16.000 Einwohner auf 173 Quadratkilometern, Steuerparadies, florierender Tourismus, auskömmlich subventionierte Ökolandwirtschaft. Der Hauptort Appenzell zählt knapp 8.000 Einwohner, das ist ein Dorf, immerhin eines mit Bahnanschluss, aber ohne Hochschule, ohne Kino, ohne Theater. Hier wurde Karin Enzler 1980...

Vorschau

Pläne der Redaktion

 

Wie funktioniert ein Apparat, der regelmäßig Kunst und Öffentlichkeit zur Verfügung stellt?
Und was bleibt von dieser Arbeit übrig? Diese und noch mehr Fragen stellen She She Pop bei ihrer Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart: «Einige von uns»

 

Auch das ist Brüssel: Christophe Slagmuylder leitet das Kunsten-festival des Arts, einst
gegrü...

Wer wird Millionär?

Ziemlich unverhofft» sei sie an die schöne runde Million gekommen, die sie der Theaterszene einmalig in Form eines Preises zukommen lassen will, sagt Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien. Sie sitzt im Bus zwischen Mülheim und Bonn, umgeben von Mitarbeitern aus ihrem Ministerium, den Organisatoren vom Theatertreffen und ein paar Journalisten. Eine...