Vorzeitiger Abgang

Staffan Valdemar Holm tritt nach nur 15 Monaten als Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses zurück

Der Ausdruck «das Handtuch werfen» stammt aus dem Boxsport. Ein Boxer wirft das Handtuch, wenn er von den Schlägen des Gegners dermaßen demoralisiert ist, dass er keine Chance mehr sieht, das Match zu gewinnen. Die Metapher lässt sich auf den Fall des Düs­seldorfer Intendanten nur bedingt übertragen – die offizielle Diagnose lautet ja: «Burnout» –, und doch fragt man sich, welche Schläge es gewesen sein mögen, die Staffan Valdemar Holm nach nur 15 Monaten zum Rücktritt zwangen.

Es ist dies ja binnen weniger Jahre bereits der zweite Amtsverzicht in Düsseldorf: Amélie Niermeyer ging nach fünf Jahren; sie ließ sich auf eine Professur am Salzburger Mozarteum berufen.

Nun legt der Schwede Holm, dessen Ernennung mit vielen großen Erwartungen verknüpft war, sein bedrückendes Attest vor, kaum dass seine zweite Spielzeit begonnen hat. Man fragt sich: Was ist da los? Ist das ärztliche Bulletin die offizielle Ummantelung des Scheiterns eines Mannes, der nur «gebrochen Deutsch» spricht und mit den komplizierten Verhältnissen in der Metropole am Rhein überfordert war? Oder gibt es etwa unüberwindliche strukturelle Probleme an einem der größten Schauspielhäuser im deutschen Sprachraum, das hin ...

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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Martin Krumbholz

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