Vom Abschaben der Hornhaut
Zauberhaft beleuchtet rieselt die Hornhaut von den alten Fersen. Fußpfleger Claude beugt sich innig über Frau Sandbergs Fuß, dann sammelt er die zarten Körnchen ein und verschließt sie behutsam in einer Metalldose. Am nächsten Tag wird er Frau Sandberg knusprige Kekse in Herzform ins Altersheim mitbringen. Ihren unvergleichlichen Geschmack verdanken sie einem «Geheimnis», das er in sie hineingebacken habe, verrät Claude schalkhaft lächelnd. Frau Sandberg glüht vor Glück.
Die schräge Liebe zwischen Claude, Michael Maertens mit bauschig aufgefönter Haartolle und treuherzigem Dackelblick, und Margit Carstensens bedürftiger und stolzer Einsamkeitskönigin im Altersheim gehört zu den schönsten Episoden in Frauke Finsterwalders schönem, schrecklichem, komischem, zynischem und zärtlichem Debütfilm «Finsterworld», dessen Titel nicht zufällig sehr nah am Namen seiner Regisseurin gebaut ist. So nah wie die Initialen einer ihrer zwölf Episodenfiguren, die Franziska Feldenhoven heißt und Dokumentarfilmerin ist, was Frauke Finsterwalder bis zu diesem Film auch war. Sandra Hüller spielt sie so verpeilt, verbiestert und ungekünstelt, wie nur sie es kann. Irgendwann steht sie im dunklen Wohnzimmer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Magazin: Filmstart am 17.10, Seite 69
von Barbara Burckhardt
Die Theaterzeitschrift
im 54. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Mitarbeit
Marion Schamuthe
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8-9, 10709 Berlin,
Telefon 030/25 44...
In Bayreuth ist auch der Zuschauer anschauenswerth, es ist kein Zweifel», schreibt Friedrich Nietzsche 1876. Er wirft damit kein parodistisches Licht auf das Publikum, das überlässt Nietzsche der «sehr unmagischen Laterne unserer witzelnden Zeitungsschreiber». Nein, der Denker betont die Exzentrik der Veranstaltung, um nicht nur die Kunst, sondern auch das Publikum...
Im eigenen Staat verfolgt, im Zufluchtsland missachtet – wer als Aussiedler in die Bastion Europa vordringt, wird auch dort allzu oft zu einem Grenzgänger am Rand der Gesellschaft. Dass Asylbewerber just auf dem Münchner Rindermarkt ihren Unmut mit Hungerstreik kundtaten, gibt der Uraufführung des preisgekrönten Stückes «Am falschen Ort» am Badischen Staatstheater...
