Verschärfte Bedingungen

Susanne Kennedy lässt Schauspieler ohne eigene Stimme und Mimik agieren – und macht damit irritierend gutes Theater

Es überrascht doch stets von Neuem, wie schnell noch immer, kaum zupft mal
jemand die gewohnten Sehmuster ein wenig auseinander, die Aufregung anschwillt und Bannworte wie «artifiziell», «formal» oder gar «Kunst» (gemeint ist die bildende oder installative) mehr oder weniger vorwurfsvoll durchs Parkett schwirren.

Als sie vor einem Jahr Marieluise Fleißers «Fegefeuer in Ingolstadt» an den Münchner Kammerspielen inszenierte, mit zombiehaft agierenden Figurenhülsen, vibrierenden Stills und dem kompletten Text als Playback, zog sie damit den Zorn vieler Theaterpuristen auf sich, die es lieber unplugged mögen. Der Rest war spontan ebenso irritiert wie begeistert, und es folgten schließlich sehr zu Recht nicht nur die Einladung zum Berliner Theatertreffen, sondern gleich noch der 3sat-Theaterpreis 2014. Da nachzulegen ist schwer, aber nicht unmöglich, wie Susanne Kennedys neuer Coup, ebenfalls an den Kammerspielen, zeigt.

Auch diesmal hat sie sich eine Vorlage ausgesucht, von der man zunächst nicht sagen würde, dass sie nach Gegenwart riecht. Der Film «Warum läuft Herr R. Amok?», den Michael Fengler im Jahr 1970 zusammen mit Rainer Werner Fassbinder konzipierte und dann weitgehend ohne ...

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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Silvia Stammen

Vergriffen
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