Vampir ohne Zähne

Peter Zadek inszeniert Strindbergs «Totentanz» im Wiener Akademietheater

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Der Mann ist ein Vampir und ein Seelendieb. Sagt zumindest seine Frau, und die muss es ja wissen. Die Rede ist von Hauptmann Edgar, der Hauptfigur aus Strindbergs «Totentanz», die Beschreibung passt aber auch auf Peter Zadek, der das Stück jetzt in Wien inszeniert hat. In seinem Fall ist die Metapher allerdings als Kompliment zu verstehen: Der Beruf des Regisseurs hat grundsätzlich etwas Vampirisches an sich. Er arbeitet stets unter Ausschluss von Sonnenlicht, und seine Kunst lebt vom Blut der Schauspieler, die er dazu verführen muss, ihm (und damit auch uns) ihre Seele auszuliefern.

 

Zadek wurde berühmt dafür, dass die Schauspieler in seinen Inszenierungen mehr Blut ließen als bei anderen, weniger charismatischen Vampiren. Sie waren offener, wilder, unberechenbarer, nackter, wahrhaftiger als das Stadttheater erlaubte. Zadek war ein gefürchteter Mann, ein Fürst der Finsternis. Heute ist er der letzte Feudalherr unter den Regisseuren und verbreitet hauptsächlich in der kaufmännischen Leitung Angst und Schrecken. Wer Zadek engagiert, muss erstens einen ganzen Hofstaat an Assistenten in Kauf nehmen, zweitens meist Tantiemen an seine Frau Elisabeth Plessen überweisen (die aus allen ...

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Theater heute Juli 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Wolfgang Kralicek

Vergriffen
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