Unterm Teppich

Marius von Mayenburg «Nachtland» (U) in der Schaubühne Berlin

Theater heute - Logo

Die langen Flokati-Zotteln bedecken nicht nur den Boden der kleinen Spielstätte «Globe», sondern auch die Wände, Treppen und Türen. Kackbraun verfilzt, sind sie ein unübersehbares Symbol für unseren Umgang mit der NS-Zeit, die ja bis heute in manchen Bereichen noch «unter den Teppich gekehrt» wird. 

Da hat die Bühnenbildnerin Nina Wetzel in der von Marius von Mayenburg geschriebenen und inszenierten Familiensatire schon mal ein schweres Symbol etabliert.

Ebenso mit dem animierten Pentaptychon, auf dem zu klassischer Musik friedlich weidende Schafe in malerischer Berglandschaft zu sehen sind. Bei so viel Landschaftsidylle hüpft das deutsche Urlauberherz, Ironie Ende. 

Autochthon deutsch ist auch die Familie, die einen in ihrem Wohnzimmer/Urnenhain/Fami -liengruft empfängt: Die über die Zeit kaltherzig gewordene pragmatische Nicola (Genija Rykova) und ihr verträumter, gleichwohl geldinteressierter Bruder Philipp (Moritz Gottwald), die mitsamt ihrer beiden Ehepartner:innen einen etwas ungewöhnlichen Erbschaftsstreit ausbreiten. Dabei geht es nicht nur darum, dass Nicola ihren am Schluss bettlägrigen Vater wickeln musste, während sich der Herr Sohn erst nach dessen Tod hat blicken ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2023
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Anna Fastabend

Weitere Beiträge
Ein Shakespeare aus Laa an der Thaya

Als der Volksschüler Peter Handke zum ersten Mal das Klagenfurter Stadttheater besuchte, hinterließ die Aufführung bleibenden Eindruck; allerdings blieben ihm weder Handlung noch Darsteller des Kinderstücks in Erinnerung, sondern nur das Bühnenbild: ein Haus mit Tür und Fenstern, aus dem aber, anders als er erwartet hatte, niemand auftrat. Ähnliche Gebäude werden...

Showroom 2/23

Showroom

Aktuelle Ausstellungen

AMSTERDAM, RIJKSMUSEUM
ab 10.2., Vermeer 

Größte Werkschau des holländischen Barockmalers Johannes Vermeer (1632-1675) mit 28 Werken aus seinem Gesamtwerk, das nur etwa 35 Bilder umfasst.

BERLIN, HOCHSCHULE FÜR SCHAUSPIELKUNST ERNST BUSCH
bis 3.3., Bertolt Brechts Papierkrieg 

Von 1938 bis 1955 dokumentierte Brecht seinen Weg durch...

Empowerment und Hausverbote

Am Ende ist es wie bei einem Schiller-Stück: Ein Brief entscheidet über das Schicksal zweier Frauen. Hausverbot. Übertriebene Aktion eines überforderten Intendanten oder gerechtfertigte Maßnahme zur Wiederherstellung des Hausfriedens? Hier gehen die Meinungen am Schauspiel Leipzig, in dem Ende letzten Jahres dieses Trauerspiel aufgeführt wurde, ausein -ander. Doch...