Unter Textgebirgen

Frankfurter Griffe in die Hausbibliothek: Stephan Kimmig inszeniert Dostojewskijs «Idiot», Oliver Reese nimmt sich Thomas Bernhards fünfbändige Autobiografie vor

Auch nach diesem «Idiot» muss leider die Frage ungeklärt bleiben, ob Dostojewskij, in dessen großen Romantragödien sehr viel geredet wird, fürs Theater taugt. Er wird seit Castorf, der seinen Zyklus 1999 begann, viel gespielt, und es könnte sein, dass er ein verhinderter Dramatiker war, wie Vladimir Nabokov in allerdings gehässiger Absicht meinte. Es könnte aber genauso gut sein, dass es für das Theater ein großes Glück gewesen ist, wenn Dostojewskijs ebenso erhitztes wie end­loses Gerede von Glück, Leid und andere Großthemen zwischen zwei Buchdeckeln bliebe.

Die knapp tausend Seiten des «Idioten», Dostojewskijs Roman über die Schönheit, sind da durchaus aufschlussreich. Auf den ersten Blick handelt es sich um einen geschlossenen, realistischen Roman, auf den zweiten zerfällt er in zwei unterschiedliche Teile. Der erste spannt einen geschlossenen Handlungsbogen und genügt auch sonst den Anforderungen des Aristoteles an Ort und Zeit. Der zweite, ungleich längere, zerfasert mit der zunehmenden Fiebrigkeit der Protagonisten zu einer unübersichtlichen Textfläche. Stephan Kimmig hat Stück oder Roman genau an dieser Schnittstelle (nach dem ersten von vier Teilen) durch eine Pause in zwei ...

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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Starts/Aufführungen, Seite 26
von Peter Michalzik

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