Unter «Spastis und Hirnis»

Schauspieler Joachim Meyerhoff schreibt seine Memoiren weiter: «Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war»

Dass der Extremschauspieler Joachim Meyerhoff auch jenseits der Bühne maßgebliche Alleinstellungsmerkmale aufzuweisen hat, wissen wir spätestens seit seinen autobiografischen Leseperformances «Alle Toten fliegen hoch 1–3» an der Wiener Burg vor fünf Jahren: Auf einen Schulweg voller martialisch Glöckchen schwingender Groß­schweiger oder plastikpistolenbewaffneter Hob­bygrenzposten, die mit einem fröhlichen «Na, wieder ficki-ficki machen?» imaginäre Schlagbäume öffnen, können die Wenigsten zurückblicken.

(Und falls doch, würden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit an Meyerhoffs plastischem, im besten Sinne detailversessenen Erzählsound scheitern.)

Der Schauspieler wuchs – als Sohn des ärztlichen Anstaltsdirektors – auf dem Gelände einer norddeutschen Kinder- und Jugendpsychiatrie auf. Und dieses von höchst speziellen «Spastis und Hirnis» flankierte Familienleben – wie die Meyerhoff-Kinder der sechziger Jahre ihre Mitmenschen in einer von keines PC-Gedankens Blässe angekränkelten Zärtlichkeit zu nennen pflegten – steht nun im Zentrum des zweiten Meyerhoff-Romans:

Nachdem sich Part eins – «Alle Toten fliegen hoch. Amerika» – um ein Teenie-Austauschjahr in Wyoming drehte, blickt der soeben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2014
Rubrik: Magzin: Bücher, Seite 61
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Wir spielen ja nur

Noch einen Tag vor der Premiere machte das Gerücht die Runde, man habe sich bei Leander Hauß­manns «Hamlet» auf viereinhalb Stunden Dauer einzustellen. Dreieinhalb waren es dann am Premierenabend tatsächlich. Welcher 60-Minuten-Block ließ sich wohl so folgenlos kurzfristig entfernen?

Gut möglich, dass es «Die Mausefalle» war, das Stück im Stück, das Hamlet...

Himmelfahrt mit Vorhang

Wer Marie NDiayes «Drei starke Frauen» gelesen hat, wird keine übertriebenen Migrationshoffnungen in Richtung Europa mehr hegen. In der ersten der drei Geschichten kehrt eine strebsame französische Anwältin, Imigrantin der zweiten Generation, zu ihrem Vater nach Algerien zurück, den sie verachtet, ohne sich seiner zermürbenden Anziehungskraft erwehren zu können. In...

Spielen bis zum großen Knall

Ankommen, Runterkommen, Wer-kennt-Wen-Geschnatter und Schneematsch draußen lassen – wer das nicht ganz schafft, den bringt Geumhyung Jeong mit ihrer sanft autoritären Präsenz dazu: Die südkoreanische Performerin beherrscht die Kunst der Zeitlupe in Zeitlupe. Wenn sie so den weiten leeren Raum durchquert, breitet sich eine kühle Konzentriertheit aus, ein Kosmos mit...