Unsere gespaltene Persönlichkeit

Großbritanniens Theaterszene kurz vor dem Brexit-Referendum

Theater heute - Logo

Das Brexit-Referendum dräut. Seit im Februar der Startschuss der «Remain»- und der «Leave»-Kampagne fiel, ist die schlammschlachtlas­tige Debatte immer mehr auf die Themen Wirtschaft versus Immigration zusammengeschmolzen. Die Politiker melden sich täglich zu Wort. Die Kunst- und Theaterszene kaum. Als Schauspielerin Emma Thompson äußerte, sie fände es «nicht nachvollziehbar, falls Großbritannien die EU verließe», briet ihr Tory-Parlamentarier Stewart Jackson gleich eins über und nannte sie «an overpaid, leftie luvvie» («überbezahlte linke Möchtegernschauspielerin»).

Charmant ist anders. Doch wenn man nachfragt, gibt es unter Lon­doner Theatermachern die leise Präferenz, in der EU zu bleiben. 

Dennis Kelly, jetzt nicht mehr nur Theater-, sondern auch Film- und Fernsehautor, beschreibt sich sogar als passionierten Pro-Europäer. «Wie scheel mein Land auf Europa guckt, ist mir peinlich. Das ist uninformiert, kurzsichtig und zeigt einen schändlichen Mangel an Solidarität. Dieses Kleinstaatendenken in einer Zeit, in der unsere Probleme so offensichtlich global sind und so offensichtlich globale Lösungen brauchen, deprimiert mich. Großbritannien hat in Europa eine wichtige Rolle, und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2016
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Patricia Benecke

Weitere Beiträge
Europäische Großbaustellen

Ob Elfriede Jelinek eigentlich wütend ist? Gute Frage nach 120 Seiten eng bedrucktem «Wut»-Manuskript. Die Schauspielerin Zeynep Bozbay war sich auch nicht ganz sicher und hat vorsichtshalber bei der Autorin nachgefragt. Im Programmheftinterview stellt Jelinek dann klar, sie sei eigentlich immer wütend. Wut sei sogar ihr «Raketenantrieb», um überhaupt zu schreiben,...

Nachruf: Der Mann aus Tilsit

Am 26. April 2016 ist der Intendant Horst Statkus fast 87-jährig in Heidelberg gestorben.

 

The hours now come. Horst Statkus war immer Dramaturg, manchmal Regisseur und sechsundzwanzig Jahre lang Intendant in Heidelberg, Basel und zuletzt in Luzern. Seit sechzehn Jahren lebte er mit seiner Frau, der Schauspielerin Elke Stoltenberg, wieder in Heidelberg. Nie hat er...

Zürich: Tonband to Heaven

Der amerikanische Physiker William Roger Corliss (1926–2011) schrieb Bücher über unerklärliche Naturerscheinungen. Nicht UFOs waren seine Leidenschaft, sondern gewöhnlichere Ano­malien. Corliss sammelte seltsame Wetterphänomene und ging gegen den Glauben an die exakte Wissenschaft vor, den er längst verloren hatte, als er 1988 eine Preisverleihung in London...