Unheilbar dem Leben verpflichtet
Lakonisch plakatieren die Bühnenarbeiter zu Beginn der Inszenierung einzelne Papierbahnen zum Prospekt. Die Fotografie fixiert einen nackten Mann im Moment des Sprungs, allein auf einer sonnigen Dachterrasse. Seine Arme umfassen die angewinkelten Beine, das lange pechschwarze Haar verhüllt sein Gesicht und steht steil in der Luft, aller Schwerkraft zum Trotz. Die geballte Dynamik des Sprungs kontrastiert ihre menschenleere Umgebung, in Geometrie und Beton erstarrt: ein endloser Horizont monotoner Hochhausarchitekturen.
Als der chinesische Fotograf Ren Hang das Bild im Jahr 2012 arrangiert, ist er gerade 25 Jahre alt und veröffentlicht seine Arbeiten in den sozialen Medien. In privaten Shootings fotografiert er seine Freund:innen allesamt nackt, in akrobatisch anmutenden Posen, oder drapiert ihre Körper mit skurrilen Objekten, Tieren und Pflanzen. Er platziert einzelne nackte Körper meditativ verloren in Landschaften – oder inszeniert umgekehrt Landschaften aus nackten, ineinander verschachtelten Körpern. «My pictures’ politics have nothing to do with China», erklärte der mehrfach wegen Pornografie verhaftete, schwule Fotograf im Magazin «Dazed» 2014. «It’s Chinese politics that ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Festivals, Seite 37
von Anja Quickert
«Was macht man als Glück suchender Nicht-Philosoph?», fragt Carl Hegemann. «Vielleicht geht man ins Theater.» Und entwickelt so in seinem Text «Glücklich im Unglück» eine Art praxisbezogene Dramaturgie: «In der Tragödie bestimmt das Theater das Glück, indem es das Unglück ausspricht, vielleicht noch drastischer und deutlicher als dies im Bereich des reinen Denkens...
Wäre Covid-19 so tödlich wie die Pest, würde sich wohl noch der verpeilteste Aluhutträger lieber heute als morgen impfen lassen. Man kann die Krankheiten also nur sehr bedingt miteinander vergleichen. Dennoch sind Pest-Romane die Bücher der Stunde; das gilt auch für Mary Shelleys «The Last Man» von 1826, der passenderweise erst Anfang des Jahres in einer neuen...
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Theater, Orchester und Festivals geben ästhetische, künstlerische und inhaltliche Impulse in eine sich stets wandelnde Gesellschaft. Sie eröffnen damit Räume der verfassungsrechtlich geschützten künstlerischen Freiheit. Wir Mitglieder des Deutschen Bühnenvereins, die künstlerischen und betrieblichen Leiter*innen sowie ihre Gesellschafter*innen und Träger*innen in...
