Und plötzlich ist da die Huppert
Geht eine Intendanz zu Ende, bekommt der Briefträger das spätestens dann zu spüren, wenn einer jener backsteinschweren «Das alles haben wir in all den Spielzeiten gestemmt»-Wälzer ausgeliefert wird. Hortense Archambault und Vincent Baudriller haben es dieses Jahr etwas raffinierter gemacht und sich von Jérôme Bel einen Rückblick inszenieren lassen, der nicht auf Vollständigkeit Wert legt, dafür aber zeitlich weit über die eigene Intendanz ausgreift und sich zum Abschied eine Verbeugung vor dem Ort erlaubt, der das Festival wie kein anderer prägt: der Ehrenhof des Papstpalastes.
Rückblick der Zuschauer als Performer
Jérôme Bel blickt zurück, in dem er die reden lässt, die ansonsten jubeln oder buhen. Vierzehn ehemalige Zuschauer sitzen im Halbkreis auf der monumentalen Bühne im Cour d’honneur und erzählen, wie das war, als sie hier vor Ort vom Theater ergriffen wurden. Oder auch nicht.
Ein junger Mann stellt sich ans Mikrofon und berichtet im atemlosen Rap-Modus, dass er in einer Tschechow-Inszenierung so gut wie nichts verstanden hat und ihn das alleine deshalb kalt ließ, weil er frisch verliebt war und seine Freundin schon mit den zwei ergatterten Karten beeindruckt hatte. Ein ...
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Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 67
von Jürgen Berger
In Bayreuth ist auch der Zuschauer anschauenswerth, es ist kein Zweifel», schreibt Friedrich Nietzsche 1876. Er wirft damit kein parodistisches Licht auf das Publikum, das überlässt Nietzsche der «sehr unmagischen Laterne unserer witzelnden Zeitungsschreiber». Nein, der Denker betont die Exzentrik der Veranstaltung, um nicht nur die Kunst, sondern auch das Publikum...
Gott, ausgerechnet Karel Gott muss der Teufel knödelnd imitieren, wenn er «Einmal um die ganze Welt» singt und sich aufmacht, Faust das richtige Leben nach dessen vergrübelt falschem zu zeigen. Dass der Trip dann alles andere als eine Vergnügungsfahrt wird, trotz der versprochenen kurzweiligen Grillen-Vertreibungen, kann man sich bei diesem undurchsichtigen...
Auf der Bühne lässt es sich ganz gut sterben. Ich selbst habe mich mit «Luise» vergiftet, bin von meinem Halbbruder «Edgar» im Zweikampf erschlagen worden, ich stand kurz vor meiner Exekution im Staube von Brandenburg, wurde auch in einem «Licht-Galgen-Film» aufgehängt und zuletzt als «Schöngeist» vor der Pause erschossen. Ach ja, den alten «Lear» habe ich auch...
