Verändern durch Passionswissen

Ulrich Khuon, Intendant des Hamburger Thalia Theaters, über Theaterarbeit zwischen Autonomie und sozialer Verbindlichkeit, die neue Sehnsucht nach dem Ortssinn, über Ich-Geschichten und das Elend eines gesteigerten Individualismus - eine Berliner Lektion

IDie eigentlich erfreuliche Nachricht, dass Kulturstaatsminis­ter Neumann für diverse Kulturvorhaben 400 Millionen Euro mehr aufgetan hat, erzeugte in zwei maßgeblichen Zeitungen geradezu schockhafte Wirkung.

In der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» und in der «Süddeutschen Zeitung» zeigten sich Nils Minkmar und Thomas Steinfeld äußerst besorgt, dass es zu viel Geld für die Kultur geben könne, dass die falsche Kultur gefördert werde – nämlich eine neue biedermeierliche –, dass Kultur durch fürsorgliche Belagerung erdrückt werde und ein neuer allumfassender Kulturbegriff alles aufsauge, kurz: dass es der Kultur in Deutschland physisch und psychisch zu gut gehe, sie werde zu Tode geliebt. Nun wissen wir, dass das schöne Bundesgeld schon einmal zur Hälfte in die Sanierung der Deutschen Staatsoper Berlin fließt und auch der Rest, auf mehrere Jahre verteilt, einigen überfälligen Vorhaben meist baulicher Art zugute kommt. Das ist erfreulich und sicher auch ein Signal dafür, dass die Zeit des Kaputtsparens vorbei sein könnte, aber natürlich nicht der Garant für eine gesicherte Zukunft der kulturellen Breitenversorgung. Wie aber ist es um deren Gegenwart bestellt?
Ein Blick auf die ...

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Theater heute Februar 2008
Rubrik: Berliner Lektion, Seite 30
von Ulrich Khuon

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